Ostern in Lateinamerika – Traditionen und Gebräuche

Die Osterwoche wird in Lateinamerika „Semana Santa“ genannt (die heilige Woche). Sie feiert die letzten Tage des Lebens Christi, seine Kreuzigung und Auferstehung sowie das Ende der Fastenzeit. Die Semana Santa ist mit einer Reihe von Feierlichkeiten geprägt, die von streng religiösen über heidnisch bis kommerziell reichen. Hier ein Überblick der Sitten und Gebräuche der Osterfeierlichkeiten in Lateinamerika für Euch:

Peru

Obwohl es üblich ist, während der Semana Santa jeden Tag in Peru  in die Kirche zu gehen, sind einige Tage besonders wichtig. Am Gründonnerstag wird die Geschichte bei den Feierlichkeiten in Cusco wieder lebendig: Es findet eine Prozession statt, um an ein Erdbeben im Jahr 1650 zu erinnern. Die Prozession endet an der Kathedrale der Stadt, da es das einzige Gebäude war, das von diesem verheerenden Erdbeben nicht zerstört wurde.

La Catedral de Cusco

Selbstverständlich gibt es auch in Peru typische Oster-Gerichte. Am Karfreitag darf im katholischen Peru kein Fleisch konsumiert werden. An diesem strengen Fastentag wird traditionell „Chupe de Viernes Santo“, eine Suppe aus Fisch, Kartoffeln und Gemüse gekocht. (Rezept bei uns hier im Magazin).

Venezuela

In der Hauptstadt Caracas ist es Tradition, eine Puppe oder Figur aus Pappe zu verbrennen. Ursprünglich war es das Bildnis von Christus Verräter, Judas Ischariot. Heutzutage haben die Puppen das Gesicht des Teufels, eines ziemlich unpopulären Politikers oder eines anderen ungeliebten Zeitgenossen. Die Zeremonie heißt aber immer noch “die Verbrennung von Judas”.

Die Figur wird durch die Straßen getragen und schließlich von einer jubelnden Menschenmenge verbrannt. In vielen anderen Regionen Lateinamerikas wird dies am Neujahrstag getan, um das neue Jahr von schlechter Energie zu befreien.

La Quema del Judas

Kolumbien

In Popayan, bekannt als „weiße Stadt“ ist Ostern eine Zeit, um die Kunst zu feiern. Zusätzlich zu der jährlichen Osterparade gibt es auch viele Kunstausstellungen und Veranstaltungen.

Ciudad de Popayan

Brasilien

Ostern ist eine wichtige Zeit in Brasilien und die Feierlichkeiten variieren von Region zu Region. Eine der beliebtesten Traditionen ist es, die Straßen mit Teppichen zu bedecken und sie dann mit Blumen und gefärbten Sägemehl in schönen Mustern und Designs zu dekorieren.

Tapetes de flores, areia e serragem

Etwas gibt es an Ostern in Brasilien, das es in den anderen südamerikanischen Ländern (von Argentinien abgesehen) nicht gibt: Osterhasen, Schokoladenostereier und das Osterlamm. Diese Gebräuche, die mittlerweile fast im ganzen Land verbreitet sind, haben Brasilien und Argentinien den deutschen Einwanderern zu verdanken.

Mexiko

In Mexiko ist fast die gesamte Bevölkerung katholischen Glaubens: 83% Prozent sind römisch-katholisch und weitere 10 Prozent gehören einer anderen christlichen Konfession oder identifizieren sich mit dem Christentum. Infolgedessen gibt es dort eine endlose Reihe von Ostertraditionen zu feiern. Ostern oder „Pascua“ ist viel mehr als nur der Ostersonntag: Die Feierlichkeiten erstrecken sich über 2 Wochen und jeden Tag wird anders gefeiert.

Die Semana Santa, oder “Heilige Woche” ist die Woche vor Ostern.  Die wichtigste Tage sind: 

Der Palmsonntag (Domingo de Ramos) verdankt seinen Namen Jesus Einzug in Jerusalem, wo ihm die Massen Palmen zu Füßen hinlegten. Auf der Straße werden aufwändig geflochtene Kränze verkauft, die später an den Haustüren aufgehängt werden, um das Böse abzuwehren.

Palmas de Domingo de Ramos

Der Karmittwoch (Miercoles Santo): Die Stadt Zaachila feiert den Karmittwoch, indem die Kirchen mit besonderen Pflanzen schmückt, die von der Sierra (den Bergen) in die Stadt getragen werden.

Gründonnerstag (Jueves Santo): Heute wird des letzten Abendmahls gedacht, das Jesus mit seinen Jüngern geteilt hat, sowie Judas Verrat. In der Stadt Oaxaca ist es Tradition, an diesem Tag sieben Kirchen zu besuchen. Außerhalb der Kirchen werden neben Kerzen und Heiligenbildern auch typisches Essen, wie zum Beispiel „Capirotada“ (Rezept bei uns hier) und Getränke verkauft.

Der Karfreitag (Viernes Santo) erinnert an die Kreuzigung, den Tod und die Beerdigung Jesu. In den Straßen finden stille Prozessionen statt.

Procesión del Silencio

Der Ostersamstag (Sabado Santo) erinnert an den Tag, an dem Jesus im Grab ruhte. Einige Gemeinden feiern, indem sie Puppen mit Abbildungen von Judas verbrennen. Für viele Familien ist jedoch der Ostersamstag ein Tag der Entspannung.

Der Ostersonntag (Domingo de Resurrección oder Pascua) erinnert an die Auferstehung Jesu. Osterhasen oder Schokoladeneier gibt es in Mexiko nicht zum Ostersonntag. Die Mexikaner besuchen Gottesdienste und feiern ruhig mit der Famile. In einigen Orten gibt es allerdings Feste mit Feuerwerk und jubelnde Prozessionen mit Musik und Tanz.

Santuario de La Divina Misericordia, Tocuila

Die Woche nach Ostern heißt „Semana de Pascua“. Da die Schulen in Mexiko zu Ostern zweiwöchige Osterferien haben, ist diese Zeit für die Mexikaner eine willkommene Frühlingspause. Ostern ist in der Regel die trockenste Zeit des Jahres, so dass die Strände ein Magnet für diejenigen sind, die die heißen Straßen der Städten entkommen möchten.