Salgados | Die brasilianische Imbisskultur

Eines der besten Merkmale der brasilianischen Küche ist die Fülle an preiswerten, einfachen und leckeren Snacks: die SALGADOS (oder Salgadinhos, wenn in mundgerechter Version).

Diese findet man in fast jeder Ecke: in Cafés, Bäckereien, Food-Trucks, Straßenmärkte aber ganz besonders in den sogenannten „lanchonetes“. Fast-Food nennen Brasilianer „lanche“ – daher das Wort „lanchonete“.

Während einige dieser brasilianischen Snacks als Fast  Food betrachtet werden können, ist ihr Platz in der brasilianischen Küche dank ihrer Popularität und Allgegenwart wichtig. Keine Party in Brasilien ist komplett ohne eine Auswahl an Salgadinhos. Es gibt unzählige, auch regionalbedingte Snacks und ein Paar davon stellen wir euch heute vor:

Diese 10 leckere herzhafte Snacks aus Brasilien haben bei uns in die enge Auswahl geschafft:

  •  Coxinha

Coxinhas sind knusprige Kroketten, die in der Regel mit einer Füllung aus Hähnchenfleisch und Catupiry (einem weichen, cremigen Käse) hergestellt werden. Die Füllung wird von einer Schicht Brandteig umgeben, mit goldenen Brotkrumen paniert und frittiert. Coxinhas sind wie Tropfen geformt, um die Form eines Hühnerschenkels (Port: coxa) darzustellen.

 

  • Pão de queijo 

    Die kleinen und leichten Käsebällchen stammen aus der Region Minas Gerais. Der Teig ist eine einfache Mischung aus Maniokstärke und Weichkäse, in der Regel der regionale „queijo minas“. Pão de queijo kann auch gefüllt (mit cremigem Käse, Hähnchenfleisch o.ä.) oder mit Marmelade serviert werden.

 

  • Quibe

Dieser Snack nahöstlicher Herkunft ist in Brasilien zu einem Favoriten geworden. Quibe (auch Kibe oder Kibbeh) wird aus Bulgur,  Hackfleisch und Gewürzen hergestellt. Sie schmecken am besten in Begleitung von Ketchup oder scharfer Chili-Soße. Gebratene bzw. frittierte Quibes sind am häufigsten zu finden, obwohl gebackene und rohe Versionen auch sehr beliebt sind.

 

  • Pastel

Neben Coxinhas in den Glasvitrinen sieht man höchstwahrscheinlich quadratische oder halbmondförmige, gefüllte knackige Teigtaschen voller Frittierbläschen – die „Pastéis“  (Einzahl= Pastel).
Häufige Füllungen sind “pizza” (Tomaten-, Oregano- und Mozzarella-Käse), “carne” (gewürztes Hackfleisch, manchmal mit hartgekochten Eiern), “bacalhau” (Kabeljau mit Kräutern und Zwiebeln), “palmito” (Palmherzen), “queijo” (Käse) und “frango” (Hähnchenfleisch). Bei der süßen Versionen findet man oft tropische Früchte, Marmelade, Schokolade oder Milchkaramellcreme als Füllung.

 

  •  Esfiha

Die ursprüngliche Schreibweise ist “sfiha”.  Esfiha ist kein typisches brasilianisches Essen, sondern ein Mitbringsel aus dem Nahen Osten. Libanesische und syrische Einwanderer nach São Paulo machten ihre Küche in Brasilien populär, und Esfiha wurde zu einem der beliebtesten herzhaften Snacks des Landes. Es ist in der Regel mit einer gewürzten Hackfleischmischung gefüllt und kommt in zwei Versionen: Offen oder geschlossen. Die offene Esfiha sieht aus wie eine Mini-Pizza, während die Geschlossene eher wie ein kleiner Knödel aussieht.

 

  • Tapioca

Tapioca sind Teigfladen aus Maniokstärke. Wasser wird der Maniokstärke zugegeben und in eine brutzelnden Pfanne verteilt, bis sie sich der Teig zu einem dünnen, weichen Pfannkuchen verfestigt. Die Fladen werden auch „beiju de tapioca“ genannt. Sie können mit jeder süßen oder herzhaften Füllung gekrönt werden, die man sich vorstellen kann – Schinken, Käse, Eier , Kondensmilch und Nutella sind sehr beliebt. Tapioca gehört zum traditionellen Frühstück im Norden Brasiliens.

 

  • Acarajé

Ein einzigartiges Essen aus dem Bundeland Bahia. Acarajé ist so lecker wie es chaotisch zu essen ist. Es wird aus Bohnen hergestellt, die eingeweicht, geschält und dann zu einer Paste gemahlen werden. Dieser Teig wird dann zu einer Kugel geformt, die in Palmöl frittiert wird. Dadurch wird die Außenseite knusprig und die Innenseite weich und klebrig. Die goldenen Kugeln werden dann aufgeschnitten und mit “vatapá” (Kokos- und Erdnussaufstrich, würziger Sauce, einem leichten Salat und manchmal Garnelen auf Wunsch) gefüllt.

 

  • Bolinho de bacalhau 

Diesen beliebten Snack haben die Brasilianer den portugiesischen Einfluss zu verdanken: Die Bällchen  bestehen aus einer Mischung aus geschreddertem Kabeljau, Kartoffelpüree und Kräutern. Sie werden zusammengerollt, frittiert und mit Limette serviert.

 

  •  Empada

Empadas sind Mini-Pasteten aus Mürbeteig, cremig herzhaft gefüllt und warm serviert. Beliebt sind „frango“ (Hähnchenfleisch) oder „frango com palmito“ (Hänchhenflisch mit Palmherzen und Oliven), sowie „frango com requeijão“ (Hähnchen mit Frischkäse).

 

  • Aipim frito 

Die im ganzen Land angebaute Maniokpflanze ist ein der meistverwendeten Zutaten Brasiliens. Auch bekannt als Yuca, Cassava, Macaxeira oder Aipim, wird die Pflanze am häufigsten als Stärke (Tapioka/Polvilho) oder als Gemüse zubereitet. In Stückchen geschnitten und gebraten, wird „aipim frito“ fast überall als brasilianische Alternative zu Pommes verkauft.

Wir haben einige SALGADOS als Tiefkühlprodukte im Sortiment! 

HIER kommst du direkt zur Kategorie im Shop.

Futuro Sí und Ponto: Zusammen helfen wir Kindern in Brasilien

Wir von Ponto Brasil & Latino bilden eine Brücke zwischen Lateinamerika und Europa. Durch den Außenhandel erlangen wir einen tiefen Blick in die aktuelle Wirtschaftslage der Länder, aus denen wir unseren Produkte beziehen.

Unsere Hauptaufgabe besteht darin, ein Stückchen Lateinamerika zu den Kunden nach Hause zu bringen um die Sehnsucht nach der Heimat zu stillen. Dabei können wir nicht vergessen, dass Menschen genau in dieser Heimat – unsere Lateinamerika –  auch Sehnsucht haben: Nach Sicherheit, nach Bildung, nach Gerechtigkeit und sogar nach Grundnahrungsmitteln.

Zusammen mit der Organisation FUTURO SÍ (Zukunft ja!) aus Düsseldorf haben wir uns entschieden, den Menschen vor Ort konkret zu helfen.

Am 15/12/2019 fließen 15% des Tagesumsatzes aus unserem Onlineshop in das Projekt “Kinder-Orchester” in Brasilien!!

Aber zuerst möchten wir Euch die Organisation FUTURO SÍ vorstellen:

FUTURO SÍ ist eine Initiative, getragen von ehrenamtlichen Helfern, die sich seit 25 Jahren für Kinderprojekte in Lateinamerika engagiert. Unterstützt werden eine kleine Gesundheitsstation in Ecuador, ein Straßenkinderheim in Guatemala, einen Kindergarten in Uruguay sowie ein Kinderheim mit Mittagstisch und psychosozialer Betreuung in Argentinien. Es werden  Projekte in ganz Lateinamerika mit ca. € 200.000,– pro Jahr unterstützt.  

Eines der von FUTURO SI geförderten Projekte befindet sich in Brasilien in Nova Iguaçu, einem 2-Millionen-Vorort von Rio de Janeiro. Hier gründete der Paderborner Theologieprofessor Johannes Niggemeier 1991 zusammen mit Brasilianern die Organisation AVICRES. In Zusammenarbeit mit AVICRES (“Gemeinschaft für Leben in Wachstum und Solidarität”) finanziert FUTURO SÍ in Brasilien eine Lehrwerkstatt, eine Kindertagesstätte, ein Mädchenhaus sowie Schulplätze.

Außerdem hat sich vor einigen Jahren ein Kinder-Orchester gegründet. Kinder, die keine Eltern mehr haben oder zuhause misshandelt wurden, spielen heute Geige, Cello und Querflöte.

Dieses Projekt unterstützt Ihr mit Eurer Bestellung am 15/12/2019!! 

Ana Clara, 12 Jahre, spielt Geige. Ihr Vater wurde direkt vor der Haustür erschossen. Ihren Bruder trug er dabei auf dem Arm. Die Mutter hatte alles mitangesehen, dachte, auch das Kind sei getroffen worden, bekam einen Herzinfarkt und verstarb. Heute werden die Kinder von der Großmutter großgezogen. Sie lebt davon, Müll zu sammeln. Die Großmutter fragt: “Gäbe es die AVICRES nicht, wie würden wir überleben?”

Bei FUTURO SÍ könnt Ihr absolut sicher sein, dass Eure Spende unmittelbar dem gemeinnützigen Zweck zu Gute kommt:  Ein Beweis für die Seriosität von FUTURO SÍ ist das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI).

Dieses Siegel wird nur vergeben, wenn das DZI eine “nachprüfbare, sparsame und satzungsgemäße Verwendung der Mittel” festgestellt hat.

Zusätzlich zu Eurer Bestellung bei Ponto am 15/12/2019 könnt ihr FUTURO SÍ natürlich auch direkt mit Spenden unterstützen: 

Hierhin können Spenden mit dem Stichwort „Orchester“ überwiesen werden: Stadtsparkasse Düsseldorf – IBAN DE24 3005 0010 0015 0913 33.
Spendenbescheinigungen stellt FUTURO SÍ  ab 20 EUR aus. Wenn gewünscht, bei der Überweisung bitte die Adresse mit angeben.
Die Spendenbescheinigung wird den Spendern im Februar nächsten Jahres dann automatisch zugestellt.

FUTURO SÍ, die Kinder in Brasilien und wir sagen OBRIGADO und VIELEN DANK!!

 

 

 

 

 

Rezept: Schwarzbier Marinade

Schwarzbier Marinade

Autor Anne

Zutaten

  • 300 ml Dunkles Bier z.B. Cerveja Forte Escura CARACU
  • 50 ml Olivenöl
  • 1 EL Senf
  • 50 ml Zitronensaft
  • 1/2 TL Knoblauchpulver oder 1-2 Knoblauchzehen fein gehackt
  • 1 kleine Zwiebel gehackt
  • 1 TL Salz
  • 1/2 TL Majoran, Thymian, Basilikum nach geschmack 1TL
  • 1/2 TL Pfeffer

Anleitungen

  1. Einfach alle Zutaten für die Marinade zum Schwarzbier in eine große Schüssel hineingeben und das Fleisch darin gut umrühren. 

  2. Diese Marinade schmeckt gut zum Hähnchen, Steak oder Schweinefleisch und reicht für mindestens 4 Pfund Fleisch aus.
  3. Über Nacht marinieren, um beste Ergebnisse zu erzielen.

Churrasco Gaúcho | Brasilianische Grillkultur

Ein aufgespießtes Stück Fleisch, über der Glut geröstet: Das ist die Definition des großen Stars der brasilianischen Gaucho-Küche. Trotz seiner Einfachheit und Rustikalität, schließt die Zubereitung dieser Spezialität eine bestimmte Technik nicht aus. Es gibt einige Geheimnisse, die wir Euch hier im MAGAZIN verraten werden!

Ich bin in Porto Alegre/Rio Grande do Sul aufgewachsen, das Bundesland der Gauchos schlechthin. Aufgrund meiner Beobachtungen als Tochter und Schwester von leidenschaftlichen „Assadores“ (bei uns gab es Churrasco – im Ernst – JEDES Wochenende!) kann ich Euch ein Paar Tipps geben und garantieren, dass die Zubereitung nach brasilianischer Art so gelingt! Nach den Tipps erzähle ich euch wie ein Sonntag bei uns in meiner Kindheit aussah, wenn sich der ganze Tag nur um Churrasco dreht.

In einem anderen Beitrag erzähle ich Euch  wie unsere Nachbarn aus Argentinien grillen – so viel wird verraten: Die Rivalität zwischen Brasilien und unseren  “Hermanos Argentinos” beschränkt sich nicht nur auf Fußball…

Zuerst ein Einblick in die Geschichte: Das Churrasco entstand bereits vor ca. 300 Jahren, als die Gauchos noch Ihre Herden monatelang über die südamerikanischen Steppen getrieben haben. Abends wurden einzelne Tiere aus der Herde geschlachtet und am Lagerfeuer auf Spießen gegrillt. Man saß gemütlich zusammen, erholte sich von der Tagesarbeit und machte Musik. Im Laufe der Zeit verbreitete sich die Vorliebe für Churrasco landesweit und über die Jahre etabliert sich die Kultur der „Churrascarias“ in verschiedenen Teilen des Landes. Aber eins blieb immer gleich: Churrasco ist ein Synonym für Geselligkeit und gemütlichem Beisammensein, damals bei den „Cowboys“ sowie heute Zuhause.


1) DAS RICHTIGE FLEISCH UND DIE RICHTIGEN ZUSCHNITTE

Das Rindfleisch wird zum Churrasco bevorzugt. Die Gauchos haben damals darauf geachtet, das Fleisch nie direkt nach der Schlachtung zuzubereiten, denn es muss reifen um die Fasern weicher zu machen. Eine Nacht oder 12 Stunden ist genug Zeit, um eine gute Reifung zu erreichen. Diese Bedenken entfallen heute, da das Fleisch vom Metzger oder aus dem Supermarkt eh nicht direkt nach der Schlachtung angeboten wird.

Die bekanntesten brasilianischen Fleischzuschnitte sind: Picanha (auf Deutsch Tafelspitz), Maminha (auf Deutsch Bürgermeisterstück – ein abgeschnittener Teil der gesamten Picanha), Costela (Rinderrippe, die langsam und so lange geröstet wird, bis sich das Fleisch von den Knochen löst) und Cupim (der Höcker auf den Schultern einiger Rinderrassen).

Außerdem werden heute je nach Geschmack anderen Fleischsorten als Churrasco zubereitet: Lamm-, Hühner- und Schweinefleischschnitte sowie Würstchen sind sehr beliebt.

 

2) DAS GEWÜRZ

Zum Thema Gewürz gibt es keine Kompromisse und die echten Gauchos schwören: „Grobes Salz und Amen!“ Die Gaucho-Art der Würzung: Salz einschmieren. Fertig.

Zu beachten ist, das Fleisch jedoch nicht roh zu salzen, sondern erst nachdem es etwas Farbe auf dem Feuer bekommen hat. Sonst geht man das Risiko ein, dass das Fleisch etwas austrocknet. Wenn das Salz anfängt weißlich zu werden, muss es entfernt bzw. abgeklopft werden. Wer trotzdem außer der Reihe tanzen will, darf ausnahmsweise das Fleisch im (wahlweise) Wein, Bier oder Cachaça marinieren 🙂

 

3) DAS FEUER

Wie die Gauchos sagen: “Das Feuer macht das Churrasco“. Das liegt daran, dass ein schwaches Feuer das Gericht verderben kann. Der Tipp ist, die Holzkohle im Voraus so lange brennen zu lassen bis der anfängliche Rauch aufhört zu steigen, da dieser den Geschmack und das Aroma beeinträchtigen kann.  Der richtige Zeitpunkt um das Fleisch aufs Feuer setzen ist wenn auf der Kohle eine Schicht Asche erscheint.

Ein weiteres Geheimnis ist es, die Entfernung zwischen der Kohle und dem Fleisch richtig zu treffen. Wenn der Spieß zu nah am Feuer ist, wird das Fleisch äußerlich verkohlen und innerlich nicht richtig gar werden. Wenn der Spieß zu weit weg ist, wird das Fleisch eher kochen und nicht rösten. Der optimale Abstand wird bemerkbar, wenn Fett auf die Glut tropft: Es entstehen weder aufsteigende Flammen noch wird das Feuer durch das tropfenden Fett weder schwacher noch gelöscht. Die richtige Entfernung vom Spieß zum Feuer erfordert Übung und verbessert sich jedoch durch Praxis und Beobachtung.

Echte Holzkohle – keine Briketts!!

 

4) DAS RICHTIGE MESSER

Ein gepflegtes und sehr scharfes Messer ist unerlässlich. Es muss außerdem einen guten Griff haben. Idealerweise haben spezielle Messer für Churrasco eine Klinge von ca. 30 bis 40 cm. Um diese zu schützen, kommt eine Lederhülle zum Einsatz.

 

5) SPIEß ODER GRILLROST?

Spieße mit Holzgriffen schützen den „Assador“ von Verbrennungen an den Händen. Sie sind in verschiedenen Formaten verfügbar: breit, schmal, einzeln oder doppelt. Sie sind für kleinere Stücke Fleisch geeignet, sowie für Rippen, Medaillons und Vorspeisen bzw. Nachtisch (Bananen, Ananasscheiben, Paprika, Zwiebeln usw.)

Der Grillrost ist für größere und ganze Stücke Fleisch wie Picanha und Maminha geeignet. Das liegt daran, dass die Fleischsäfte nicht entweichen können, da das Fleisch nicht aufgespießt wird. Es gibt trotzdem „Assadores“, die Picanha am Spieß in Scheiben zubereiten, aber das kann das Fleisch härter und weniger saftig machen.

6) DIE BEILAGEN

Wenn man nicht nur Appetit auf Fleisch hat, findet man je nach Region diese Beilagen auf dem Tisch: Farofa (gewürztes und geröstetes Maniokmehl), Knoblauchbrot, Reis, Kartoffelsalat, gekochten oder frittierten Maniok (aipim cozido/aipim frito), Salate und Bohnengerichte (feijão mexido).

Farofa 


Und so sah es bei uns am Wochenende in meiner Kindheit aus (und es tut bestimmt immer noch, in tausenden anderen brasilianischen Familien): Mein Vater hat am Sonntag ganz früh die Sonntagsbrötchen geholt und gleich danach ging es los: Die „Churrasqueira“ vorbereiten, die Kohlenreste vom letzten Wochenende beseitigen, die Spieße kontrollieren und sauber machen, das Bier kaltstellen, das Knoblauchbrot einreiben (als große Entlastung für meine Mama in der Küche 🙂 und je nach Fleischsorte (z.B. „Costela“ – die Rippen, die brauchen ewig!) ggf. das Feuer schon Vormittags anzünden und loslegen.

Meine Mutter bereitete Kartoffel- und  Tomaten-Zwiebel Salat vor und deckte den Tisch (besonders im Süden und wenn man Platz hat, sehen die Tische neben der Churrasqueira genauso aus wie deutsche Biergartentische – lang und mit Bänken, da die Anzahl der Gäste noch ungewiss ist – mehr dazu gleich).

Wir Kinder mussten überhaupt nicht helfen, ich habe trotzdem gerne Kartoffel geschält , die Mayo zum Kartoffelsalat selbst nach Mamas Rezept angerührt. Selbstgemachte statt gekaufte Mayo hat uns allen viel besser geschmeckt.

Meine Brüder spielten Fußball zusammen, sind gelegentlich zur Churrasqueira gekommen um das Feuer bzw. die Glut zu bewundern und haben ab und zu eine Kostprobe des Fleisches bekommen – hier hat das richtige Messer tatsächlich eine große Rolle gespielt, die Kostprobe muss hauchdünn sein.

Meine Brüder und ich durften bei der „Freigabe“ mitentscheiden (zu salzig? zu blutig?) und so wurden wir nebenbei als zukünftige „Assadores“ ausgebildet.

Mein Vater stand stundenlang neben dem Feuer und wurde von uns mit Getränken versorgt und war sogar beim Essen  mehr am Stehen als am Sitzen, weil einige Spieße noch beobachtet werden müssen. Ein „Assador“ hat es nicht leicht und  ist am Abend todmüde aber sehr stolz auf seine Leistung.

Dann waren es plötzlich viel mehr Leute am Tisch als nur wir: Der Nachbar, der über den  Zaun “das duftet aber gut” ruft und somit quasi sich selbst einlädt, die Kinder die mit meiner Brüder mitgespielt haben, die Tante die nur etwas schnell vorbei bringen wollte und auch eventuell anderen die aus dem Nichts kamen. Alle bleiben und das Essen reicht.

Diese spontane Geselligkeit, die Zusammenarbeit, die Kinder am toben, die Sonne, der Rauchgeruch, das Fußballspiel lautlos im Fernseher, eine Hängematte, mein Vater den ganzen Tag neben der Churrasqueira stehend: So waren die Sonntage meiner Kindheit in Brasilien. Diese Erinnerung ist so frisch in meinem Gedächtnis wie einen Sprung in den Pool (aber „NICHT MIT VOLLEM BAUCH!! rief meine Mutter immer aus der Küche).

Originalzutaten erhältst du übrigens bei brasil-latino.de.

 

Rezept: Sobremesa de Bombom Sonho de Valsa | Dessert mit Sonho de Valsa Pralinen

Sobremesa de Bombom Sonho de Valsa | Dessert mit Sonho de Valsa Pralinen

Gericht Dessert
Länder & Regionen Brasilien
Vorbereitungszeit 30 Minuten
Zubereitungszeit 2 Stunden
Arbeitszeit 2 Stunden 30 Minuten
Autor Anne

Zutaten

  • 4 mittelgroße Eier Eiweiß und Eigelb trennen
  • 2 Dosen Kondensmilch gesüßt
  • 1 Dose Creme de Leite
  • 650 ml Vollmilch
  • 6 EL Zucker
  • 8 EL Kakaopulver
  • 2 EL Maisstärke (Maizena)
  • 12 bis 15 Sonho de Valsa Pralinen gekühlt

Anleitungen

  1. Für die helle Creme: In einen Topf 1 Dose Kondensmilch, 4 Eigelb, 325ml Milch und 1 EL Maisstärke geben und auf mittlerer Hitze kochen, bis die Creme sich verdickt hat. Abkühlen lassen.

  2. Für die Schokoladencreme (Ganache): In einen anderen Topf 325 ml Milch, 1 Dose gesüßte Kondensmilch, den Kakaopulver und 1 EL Maisstärke (Maizena) geben und kochen, bis die Creme sich verdickt hat. Abkühlen lassen.

  3. Für die Baisercreme: 4 Eiweiß steif schlagen, den Zucker dazugeben und weiter schlagen, bis die Baisermasse eine feste Konsistenz erreicht hat. Dann die Dose „Creme de Leite“ dazugeben und umrühren, bis die Masse homogen ist.
  4. Aufbau: 

    Die Cremes könne je nach Belieben und Geschmack abwechselnd aufgeschichtet werden: Das wichtigste ist der Farbwechsel. Zwischen den Cremes streut man eine dünne Schicht mit Stückchen der gehackten Pralinen. 

    Es können z.B. nur DREI Schichten Creme sein , wenn die Schüssel groß ist oder SECHS, wenn das Dessert in kleineren Einzelportionen serviert wird. Der Kreativität sind hier keinen Grenzen gesetzt.

  5. Als Topping wird das Dessert mit gehackten, halbierten oder ganze Sonho de Valsa Pralinen garniert. Als Farbtupfer passen auch Erdbeeren, Kirchen oder Pfefferminzblätter dazu. Mindestens 4 Stunden in den Kühlschrank vor dem Servieren kaltstellen.

Rezept-Anmerkungen

Tipp: Die Schüssel oder die Gläser sollen am besten durchsichtig sein, sonst leider die Optik darunter. Man kann auch eine „Mittelschicht“ halbierten Pralinen am Rand der Schüssel (mit der Füllung nach außen zeigend) anbringen – es sieht sehr schön aus!

 

Originalzutaten erhältst du übrigens bei brasil-latino.de

Doppelter Oster-Rekord in Brasilien: Stadt Pomerode schafft 2 Einträge ins Guinness Buch!

Brasilien ist und bleibt ein Land der Superlative! Die Brasilianer übertreffen sich selber was  Natur (Amazonas!), Fußball (5x Weltmeister!) und Kultur (Karneval!) angeht. Wenn noch deutsche Tugenden wie Fleiß und Ehrgeiz zu der Kreativität der Brasilianer hinzukommen, kann nur das passieren: Gleich 2 Rekorde im Guinness Buch –  zum Thema Ostern.

In einer kleinen Stadt namens Pomerode (selbsternannte „deutscheste Stadt Brasiliens“) im Bundesland Santa Catarina ist es passiert: Innerhalb von 2 Jahren wurde dort der größte Osterbaum und das größte geschmückte Osterei der Welt erschaffen! Mehr dazu gleich…

Zuerst machen wir einen Ausflug nach Pomerode:

Pomerode ist eine Kleinstadt mit ca. 30.000 Einwohner. Ruhig und charmant, Pomerode ist für die Naturschönheit und hervorragende Lebensqualität bekannt. Seit mehr als einem Jahrhundert pflegt die Stadt das Kulturerbe der Einwanderer aus Pommern/Deutschland.

Und noch ein Rekord am Rande: Pomerode hat heute mit etwa 92 Prozent der Stadtbevölkerung den größten Anteil deutschstämmiger Einwohner in Brasilien.

Bildung und Wirtschaft sind die Schwerpunkte der Stadt, von Blumenau seit 1959 emanzipiert. Das Vermächtnis der germanischen Kultur spiegelt sich in der Architektur der Häuser und Straßen von Pomerode wieder. Zahlreiche Folklore-Gruppen, Chöre, Jagd- und Schützenvereine sowie die Gastronomie in der Region (insbesondere die Bäckereien nach deutschem Vorbild) sind ein wahrer Touristenmagnet.

Seit 11 Jahren verwandelt sich ein Teil Pomerodes in einem „Osterdorf”, um die Ostertraditionen der deutschen Einwanderer zu feiern. Für einen Zeitraum von einem Monat wird die Stadt zur Bühne für diversen Veranstaltungen: Ein großer Ostermarkt mit Workshops (Eierbemalen, Osterdeko basteln, etc.) finden statt. Das Programm umfasst zudem kulturelle Darbietungen und Auftritte von Volksgruppen, Ausstellungen von Handwerkern und lokalen Produkten.

Die Highlights des Osterfests sind aber wie bereits erwähnt REKORDVERDÄCHTIG!!

REKORD Nr. 1)

Der größte Osterbaum der Welt besteht aus 82.404 bemalten Hühnereiern. Der Weltrekord wurde am 16. März 2017 beim 9º Osterfest in Pomerode erreicht. Der Verein „Visite Pomerode“ hat im April 2016 damit begonnen, Eierschalen zu sammeln und zu bemalen. Die 82.404 Hühnereier wurden an einem Pekannussbaum aufgehängt.

REKORD Nr.2)

Das größte geschmückte Osterei der Welt ist 15,02  Meter hoch und hat einen Durchmesser von 8,72 m. Es wurde am 9. März 2019 von dem Verein „Visite Pomerode“ fertig gestellt. Das riesige, bunt geschmückte Osterei wurde in 48 Tagen für das Osterfest geschaffen.

Also zusätzlich zum Besuch der wunderschönen Strände von Santa Catarina lohnt es sich auf jeden Fall auch eine Stippvisite nach Pomerode (und Blumenau!) um zu erfahren, wie sich Deutschland außerhalb Deutschlands anfühlt.

Osterdorf in Pomerode

Rezept: Cremige Torte mit Palmherzen | Pastelão de Palmito

Cremige Torte mit Palmherzen | Pastelão de Palmito

Gericht Main Course
Länder & Regionen Brasilien
Autor Anne

Zutaten

Für den Teig:

  • 500 g Weizenmehl
  • 200 g gekühlte Butter in Stückchen
  • 3 EL Joghurt
  • 1 Eigelb
  • Salz nach Geschmack

Für die Füllung:

  • 50 ml Olivenöl
  • 1 große gehackte Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen zerdrückt
  • Roter Pfeffer nach Geschmack
  • 2 Tomaten ohne Schale, entkernt
  • 400 g gehackte Palmherzen
  • 200 g Erbsen
  • 100 g grüne Oliven gehackt
  • 1 EL Hühnerbrühe
  • 200 ml Wasser
  • 100 g Weizenmehl
  • 1 Bund gemischte Kräuter Schnittlauch, Petersilie o.ä
  • Salz nach Geschmack und 1 Ei zum Bepinseln

Anleitungen

  1. Zubereitung (Mürbeteig):

    Für den Mürbeteig Mehl und die kalte Butter in Stücken mit der Küchenmaschine oder mit der Hand zu einem glatten Teig verkneten. Den Joghurt und das Eigelb dazu geben und nach Geschmack salzen. 

  2. Mürbeteig mit den Händen zu einer dicken Rolle formen und in 3 gleich große Portionen teilen. Ein Drittel für den Rand halbieren und zu 2 Rollen (à 30 cm Länge) formen. Die anderen zwei flach und rund drücken, sie werden zu Deckel und Boden. Mürbeteig in Klarsichtfolie gewickelt mindestens 3 Stunden kalt stellen.
  3. Füllung:

    In einem Topf mit Olivenöl die Zwiebel, den Knoblauch und ggf. den roten Pfeffer glasig anbraten. Dann die gehackten Tomaten, die Palmherzen, die Erbsen, die Oliven, die Hühnerbrühe und das Wasser dazu geben und 5 Minuten köcheln lassen. 

  4. Bei schwacher Hitze das Mehl darüber sieben und schnell umrühren, bis man eine glatte und aber feste Creme bekommt. Die Kräuter zum Abschluss in diese Creme mischen und die Füllung abkühlen lassen.
  5. Aufbau:

    Die 1 Teigplatte als Boden in eine Springform legen und mehrmals mit der Gabel einstechen. Teigrollen an den Springformrand legen und mit den Händen Stück für Stück bis zur oberen Kante hochdrücken. Die abgekühlte Füllung in die Springform geben und gleichmäßig verteilen.

    Die 2. Teigplatte über die Füllung legen, am Rand vorsichtig festdrücken und mit verquirltem Ei dünn bepinseln. So glänzt die Torte nach dem backen besonders schön.

    Im vorgeheizten Backofen bei 180°C ca. 30 Minuten backen. Warm servieren.

Originalzutaten erhältst du übrigens bei brasil-latino.de

Kamelle oder Copacabana?

Bald ist Karneval in Rio: – und Fasching hierzulande…schon allein wegen des Wetters denkt man (von der feucht-fröhlichen Stimmung abgesehen), dass beide Feste trotz des gleichen Ursprungs komplett unterschiedlich sein müssen.

Kostümierte Jecken gegen halbnackte Sambatänzerinnen, Kamellen die hier fliegen und dort nicht…es gibt doch große Unterschiede aber doch mehr Ähnlichkeiten, als man denkt. Und es geht immer um Spaß. Sowohl in Brasilien als auch in Deutschland.

Wir klären auf und zeigen Euch anhand von Vergleichsbildern wie es hier und dort abgeht!

Notiz am Rande: Die Autorin dieses Beitrags hat in den Karnevalshochburgen Rio und Düsseldorf jahrelang gelebt und kann garantieren, dass beide Feste mit den jeweiligen Eigenartigkeiten sehenswert und unvergesslich toll sind!

DER TANZ


DIE PARADE


DIE MUSIK


DER KRAFTSTOFF


DIE KOSTÜME


DIE REGENTSCHAFT 


 „HELAU“, „ALAAF!“ und „ALALAÔÔÔ!“

Die ausgefallenen Bräuche der Brasilianer zu Silvester

Brasilien ist für die Mischung aus vielen Kulturen weltweit bekannt. Diese Eigenartigkeit ist besonders am Vorabend des neuen Jahres oder „Réveillon“ zu beobachten.

Zuerst kurz zum Begriff “Réveillon”: Er beschreibt in Brasilien die Silvesterparty und bedeutet ursprünglich auf Französich „aufwachen“. Dieser Begriff entstand im 17. Jahrhundert in Frankreich und stellte ein Fest des Adels dar, das die ganze Nacht dauerte.  Im 19. Jahrhundert wurden diese Feste vom Adel anderer Orte der Welt angenommen, die von der französischen Kultur beeinflusst wurden, so wie in Brasilien. Man wünscht sich zwar  “Feliz Ano Novo” (Frohes Neues Jahr), aber sonst wird nur das Wort Reveillon gebraucht.

Eine Vielzahl von (ausgefallenen wenn nicht sogar skurrilen) Bräuchen und Traditionen, Ritualen und Symbolen aus fernen Ländern die den Menschen Glück, Gesundheit, Geld und Frieden bescheren sollen werden in der Öffentlichkeit bei sehr langem -in der Copacabana sogar bis zu 1 Stunde lang – anhaltenden Feuerwerk, gefeiert.

Heute verraten wir euch im TOP 10 welche das sind:

1) Weiße Kleidung tragen

Die weiße Farbe symbolisiert den Frieden und die Reinheit: Kleidung dieser Farbe war in Ritualen afrikanischer Stämme obligatorisch, wo das Ziel war, sich mit einer höheren Energie zu verbinden und so den Geist zu reinigen. In Brasilien wurde der Brauch durch Candomblé (afrobrasilianiche Religion) populär gemacht, da seine Anhänger im neuen Jahr an der Copacabana, einem der Orte mit der höchsten Konzentration von Menschen zum Jahreswechsel weiße Kleidung trugen.

 

2) Opfergabe an Yemanjá bringen

Ein wichtiges Ritual der Brasilianer (nicht nur der mit afrikanischer Abstammung oder Gläubigen des Candomblé)  ist es, an Silvester der Meeresgöttin Yemanjá zu gedenken. Da Yemanjá als sehr eitel gilt, werden kleine Schiffchen mit Parfüms, Seifen, Spiegel, Kämme, Halsketten o.ä. ins Wasser gelassen. Außerdem werden weiße Rosen in das Meer geworfen.

 

3) Sieben Granatapfelkerne lutschen

Granatapfelkerne sollen laut brasilianischer Aberglaube Wohlstand und Reichtum anziehen. Das Fruchtfleisch der Kerne (Achtung: 7 Stück müssen es sein!) wird verspeist und die Samen werden im weißen Papier oder Plastik eingewickelt und ab dem 06. Januar (Heiligen Drei Könige) in der Geldbörse getragen.

 

4) Über 7 Wellen springen

Das gilt natürlich für alle, die Réveillon am Strand feiern (viele kommen speziell dafür an den Strand angereist!). Man stellt sich bis zum Knie ins Meer, wirft ein paar Blumen für Yemanjá ins Wasser, springt über sieben heranrollende Wellen und wünscht sich was dabei. Ganz Abergläubige springen nur mit dem rechten Fuß, dann beginnt das Jahr mit einer Beförderung.

 

5) Linsen essen

Linsen sind die am meisten konsumierten Lebensmittel zum Réveillon. Das liegt daran, dass viele glauben, dass Linsen Glück und gute Energien für das kommende Jahr bringen können.
Die Erklärung dafür ist die: wenn man Linsen ins Wasser wirft, gehen sie auf und wachsen, und jeder möchte ja auch gern über sich hinauswachsen.
Es muss dazu aber dieses Ritual befolgt werden: Man muss irgendwo hochklettern (Stuhl, Tisch, Treppenstufen) und genau 7 Gabeln voll davon  essen.

 

6) Bunte Unterwäsche tragen

Die Farbe der Unterwäsche (sie muss übrigens neu sein), die man unter der weißen Kleidung zum Réveillon trägt soll einen direkten Einfluss auf den Verlauf des neuen Jahres haben:

Weiß: bringt Frieden und Ruhe
Rosa: zieht die Liebe an
Gelb: zieht Geld und Reichtum an
Grün: bringt Hoffnung und Gesundheit
Rot: zieht Leidenschaft an
Blau: bringt Erkenntnisse und Weisheit

 

7) Kein Geflügel essen

Der Verzehr von Hähnchenfleisch, Ente oder Pute ist absolut tabu. Der Grund: Vögel scharren und laufen häufig rückwärts. Wer sie isst, bei dem ist Rückschritt programmiert, also Finger weg! Gegessen wird stattdessen ein Linsengericht, eine traditionelle „Feijoada“ oder Grillgerichte mit Rotfleisch und Fisch.

 

8) Zwölf Trauben essen

Eine der Früchte, die beim Réveillon am meisten gegessen werden ist die Traube. Diese Tradition zum Jahreswechsel kommt aus Spanien, wo sich die Menschen versammeln, um die Früchte zu probieren und dabei Champagner trinken. Um viel Glück und ein erfolgreiches Jahr zu haben soll man 12 Trauben essen, jeweils eine in den zwölf Minuten vor Mitternacht.

 

 

9) Lorbeerblatt in der Geldbörse tragen

Im Mittelalter stellte der Lorbeer Glück, Wohlstand und Erfolg dar. Aus diesem Grund haben die Menschen Lorbeerblätter in typischen Gerichten und sogar als Dekoration in den Häusern verwendet.
Zum Jahreswechsel soll man ein Lorbeerblatt zusammen mit einem Geldschein in den Geldbeutel stecken und das ganze Jahr lang aufbewahren. Am letzten Tag des nächsten Jahres wird das Geld an jemanden gespendet und das Lorbeerblatt ins fließende Wasser geworden.

 

10) Das Haus gründlich mit grobem Salz reinigen

Wenn man böse Geister vertreiben und viele positiven Energien anziehen möchte, soll man die Küche, die Toiletten, die Türen und besonders die Türklinken mit einer Mischung aus Wasser und grobem Salz auswaschen.

Alle Mülleimer müssen geleert werden, Zerbrochenes muss weggeworfen und kaputte Glühbirnen müssen ausgetauscht werden, sowie  Bettwäsche und Badetücher.

Und ganz wichtig: Umgekrempelte Kleidung unbedingt wieder auf rechts ziehen.

Na dann kann ja nichts mehr schiefgehen 🙂

DESEJAMOS UM FELIZ ANO NOVO!

WIR WÜNSCHEN EIN FROHES NEUES JAHR! 

 

 

 

 

 

Weihnachten im Sommer – wie man unter Palmen feiert

Wenn man in Brasilien aufwächst, stellt man sich als Kind diese Fragen wieder und wieder:

1)Warum trägt der Weihnachtsmann bei 30°C diese Klamotten? Ist doch so warm!
2)Warum werden Tannenbäume mit Watte dekoriert? Watte ist keine Deko!
3)Warum streiten sich immer wieder Tanten, Omas und Mama in der Küche? Man soll doch fröhlich sein!
4)Wieso müssen wir so deftig essen? Es schmeckt bei der Hitze doch gar nicht!

Irgendwann später wird man aufgeklärt, dass die Weihnachtsbräuche aus Europa bzw. Portugal aus der Zeit der Kolonisierung übergeschwappt sind. Dann versteht man endlich, dass:

1) der Weihnachtsmann im Nordpol und nicht in Rio de Janeiro wohnt;
2) die Watte auf den Tannenbäumen Schnee nachahmen soll. Schnee? Kennen wir bloß aus Bildern;
3) die Frauen sich in der Küche streiten, weil es zu heiß ist und keine vor dem Ofen stehen will, um den „Chester“ – hierzu mehr später – stundenlang zu beaufsichtigen. Außerdem haben sie bereits mehrere Tage zuvor in der „Küchensauna“ gelebt und Plätzchen gebacken;
4) Im Winter (in Europa ist im Dezember eben Winter!) der Appetit auf deftige, kräftige und salzige Gerichte steigt – und diese Tradition wird in warmen Ländern wegen der Hitze nicht gebrochen.

Also außer schwitzende Weihnachtsmänner in Einkaufszentren zu bemitleiden, Weihnachtsstollen oder Pannettone mit Rosinen, Zitronat und Orangeat essen zu müssen, weil die Erwachsenen das so toll finden und viel Geld dafür bezahlt haben (Anmerkung: das Zeug mag KEIN ENZIGES BRASILIANISCHES KIND!!!) ist Weihnachten selbstverständlich die tollste Zeit des Jahres und wird fast gleich wie in Europa gefeiert, mit kleinen Eigenarten, die wir euch näher bringen wollen. Hier eine Übersicht:

Weihnachtsdekorationen

Obwohl die Idee eine Palme zu schmücken das Bild eines wahrhaft tropischen Weihnachtsfestes zaubert, schmücken die Brasilianer einen traditionellen Weihnachtsbaum. Dieser ist aus Naturschutzgründen heutzutage überwiegend aus Kunststoff und wird mit allen üblichen Lichtern, Kugeln und Watte (!) geschmückt. Krippen, bekannt als „Presépio“ sind sehr beliebt. Sie werden in Kirchen und Häusern  ganz Dezember aufgestellt.

Weihnachtsbaum in Salvador/BA

 

Geschenke

Wenn sich Brasilianer zu Weihnachten am Heiligabend treffen, ist es in der Regel die erweiterte Familie, die zusammenkommt: Von der unmittelbaren Familie bis zu Cousins, Tanten, Onkel, Cousins zweiten Grades und allen anderen, die irgendwie verwandt sind. Demzufolge entsteht bei der Feier eine große Gruppe von Menschen und die Bescherung kann teuer und zeitaufwendig werden. Ein beliebter „Umweg“ hierfür ist der „Amigo Secreto“ oder „Amigo Oculto“ (geheimer Freund):
Jeder Person übernimmt die Verantwortung für den Kauf eines Geschenks für nur eine Person, deren Namen keineswegs verraten werden soll. Hier kann der Fairness halber eine Preiseinschränkung abgesprochen werden. Zur Bescherung wird dann die Person so lange beschrieben (auf witziger Weise, durch Mimik, Gestik usw.) bis die anderen erraten, wer das ist.

Kinder werden üblicherweise „vom Weihnachtsmann“ reichlich beschenkt, auch wenn ein „Amigo Secreto“ unter Erwachsenen stattfindet.

Weihnachtsmann

Der Weihnachtsmann ist in Brasilien derselbe, wie ihn die meisten in der westlichen Welt kennen, wird allerdings „Papai Noel“ (Vater Noel) oder „Bom Velhinho“ (der nette, alte Mann) genannt.

Weihnachtsmann aus Sand an der Copacabana/Rio de Janeiro

 

Feiern

Die meisten Menschen, vor allem Katholiken, gehen am 24/12 zu einem Mitternachtsgottesdienst, die sogenannte „Missa do Galo“. Am 25/12 gehen viele auch zum Gottesdienst, aber oft am Nachmittag. Der 1. Weihnachtstag wird ruhig und entspannt angegangen, man trifft sich Zuhause ohne großes Feiern und isst die Reste vom Vortag.

Missa do Galo im prunkvollen “Mosteiro de São Bento”/ Rio de Janeiro

 

Weihnachtsessen

Für viele ist das Weihnachtsessen der Höhepunkte des Tages und in Brasilien werden die Speisen von vielen Kulturen beeinflusst: Italien, Portugal, Spanien und vor allem im Süden des Landes, Deutschland.

Zum Weihnachtsessen gehören den Chester (eine Art Truthahn), Gemüse, Reis mit Rosinen und Kartoffelsticks, Schinken, Kartoffelsalate mit viel Mayo und manchmal Lasagne sowie Gerichte mit Kabeljau. Das Weihnachtsessen kann bis spät in die Nacht gehen – manchmal bis Mitternacht – wenn die Hauptfeierlichkeit bzw. die Bescherung stattfindet. Ja, die Kinder dürfen solange wach bleiben.

Was ist aber eigentlich ein „Chester“? Die Bezeichnung kommt aus dem Englischen Wort für „Brust“ und beschreibt eine Art Geflügel, die aufgezüchtet wird und es nur in Brasilien gibt: Sie besteht aus 70% mehr Brust und Oberschenkel als normales Geflügel und hat genau die richtige Größe für eine typisch brasilianische Familie von 4,5 Personen. Für viele Familien ist ein Weihachten ohne Chester kein richtiges Weihnachten.

Wir bringen euch dazu in separaten Beiträgen die Rezepte zum traditionellen brasilianischen Weihnachtsmenü (keine Sorge, für den Chester gibt´s Alternativen!)

Typische brasilianische “Ceia Natalina” im Büffetform

Das Weihnachtsessen (Ceia de Natal) wird wie oben auf dem Bild gesehen gern im Büffetform zur Selbstbedienung serviert. Alles wird zusammen aufgetischt: Vorspeise, Hauptgericht, Nachtisch – und reichlich viel davon!

Gegessen wird entweder am separaten Esstisch oder auch im Stehen, draußen auf der Veranda, Garten oder Balkon (nicht vergessen: Ist ja Sommer!) oder die Gäste laufen einfach durchs Haus rum und unterhalten sich. Also alles sehr bunt, laut und spontan, wie das brasilianische Temperament.

Typische Speisen für eine Ceia sind:

  • Appetithäppchen (Canapés) mit Lachs, Kaviar, Speck, Gemüse o.ä.
  • Bolinhos de Bacalhau (portugiesische Fischbällchen) – Rezept hier
  • Käseplatte: dekoriert mit Nüssen, Aprikosen, Datteln o.ä
  • Chester,  Bacalhau (Klippfisch) oder Truthahn – Rezept hier
  • Kartoffelsalat (mit viel Mayo!)
  • Farofa (Beilage aus Maniokmehl mit Gewürzen)
  • Salpicão (Geflügelsalat mit Kartoffelsticks) – Rezept hier
  • Reis mit Nüssen/Rosinen/Gemüse
  • Armer Ritter
  • Plätzchen (Spekulatius, Ingwerkekse, Butterplätzchen)
  • Panetone (meistens mit Speiseeis gefüllt)
  • Tropische Früchte
  • Champagner, Wein, Bier, frische Fruchtsäfte