Asado | Argentinische Grillkultur

Wenn es um Fußball geht, ist die Rivalität zwischen Brasilien und Argentinien ein endloser Kampf. Aber wenn wir vom Grillen reden, endet der Kampf sofort im Gleichstand und alle sind sich einig: Sonntag ist Grilltag! Brasilianer sowie Argentinier sitzen glücklich am Tisch mit Familien und Freunden zusammen und der Genuss eines perfekten Stück Fleischs steht im Mittelpunkt. Egal, ob es ASADO oder CHURRASCO heißt….

DIE GESCHICHTE DES  „ASADO“:

Die Leidenschaft der Argentinier für Fleisch ist nichts Neues. Der Sohn vom Entdecker Christoph Kolumbus  förderte bereits 1511 die Vermehrung des Viehbestandes in dem von den Spaniern eroberten Gebiet Südamerikas.

1556 kamen die ersten Kühe in das heutige Argentinien, von Panama über Venezuela und Brasilien. Sie verstreuten sich schnell über die weiten Ebenen des Landes und der Bestand wurde bereits im 18. Jahrhundert auf 40 Millionen Stück geschätzt. Die Großzügigkeit des Bodens und die Wetterbedingungen verbesserten außerdem die Qualität der drei häufigsten britischen Rassen (Angus, Hereford und Shorthorn) die nach Argentinien importiert wurden.

Der Bestand war so groß, dass jeder das Vieh fangen dürfte. Viele Jahre lang war der Fleischkonsum sehr günstig (wenn nicht umsonst) und wurde so zur Gewohnheit für die Bevölkerung.

DER GRILL / DIE PARRILLA:

Argentinier bevorzugen die Verwendung vom Grillrost, der „Parrilla“ heißt. Als Brennholz (Holzkohle wird eh selten dort verwendet) kommen regionale Bäume (z.B. Espinillo) zum Einsatz. Diese erzeugen einen duftigen Rauch, der einen besonderen Geschmack hinterlässt. Einige Parrillas haben eine Vorrichtung aus schrägen Rinnen die verhindern, dass das Fett vom Fleisch auf die Glut tropft und Flammen produziert: Die „Canaletas“.

In Argentinien gibt es eine eigenartige Methode der alten Schule um nachzuprüfen, ob die Parrilla die perfekte Temperatur zum Grillen hat: Man versucht die Hand für 5 bis 10 Sekunden darauf zu halten. Weniger als 5 Sekunden bedeutet zu heiß, mehr als 10 Sekunden bedeutet noch nicht heiß genug.

DAS FLEISCH:

In Argentinien ist der Begriff „glückliche Kühe“ sehr klar: Die Kühe sind immer im Freien und genießen die Sonne. Die landesweiten Ebenen sorgen dafür, dass die Tiere wenig Muskeln aufbauen und sich nicht beim Weiden anstrengen müssen, wie in einigen anderen Ländern.  Das argentinische Fleisch hat den Ruf, eines der besten der Welt zu sein.

Die beliebtesten Fleischsorten bzw. -schnitte sind:

Bife de Chorizo: Sehr weiches Fleisch, mit leichter Fettmarmorierung. Dieser Zuschnitt heißt auf Deutsch Lendensteak;

Bife de Lomo: Das traditionelle Filet Mignon, das zarteste Stück vom Rind;

Costilla: Dieser Zuschnitt bietet eine große Menge an Fleisch, mit dem Geschmack von durchwachsenem Speck und nur kleine Knochenstücke (Rippen), was die Grillzeit im Vergleich zu der brasilianischen Art wesentlich verkürzt;

Colita de Cuadril: Hüftspitze, Bürgermeisterstück

Parrillada (gemischte Grillplatte): enthält verschiedene Fleischarten. Dazu gehört chorizo (Würstchen vom Schwein), pollo (Hähnchenfleisch), costillas (Spare Ribs/Rippen) und carne (Rindfleisch). Manchmal können da aber auch Innereien dabei sein, wie chinchulines (kleine Innereien), tripa gorda (große Innereien), molleja (Kalbsbries), ubre (Kuheuter), riñones (Nieren) und morcilla (Blutwurst).

Bife de Chorizo

 

DIE BEILAGEN:

In Argentinien wird der Asado häufig begleitet von Pommes, Empanadas (gefüllte Teigtaschen), Provoleta (gegrillter Provolone), Parrillada de Verduras (gegrilltes Gemüse), Salate oder Reis. Die traditionelle Chimichurri-Sauce (Kräutersauce) darf auf keinen Fall fehlen.

Das Rezept für hausgemachte Chimichurri-Sauce findet ihr hier im Magazin und die fertige Alternative bei uns im Onlineshop.

Die argentinische Parrillada und der Asado werden in der Regel von einem guten Rotwein begleitet.

Chimichurri


Hier ein Überblick der wesentlichen Unterschiede zwischen dem brasilianischen Churrasco und der argentinischen Parrilla:

1) Die Art der Zubereitung: 

Argentinien –  auf dem Grillrost (Parrilla)
Brasilien – am Spieß und/oder Grillrost (Churrasqueira/Grelha)

2) Das Feuer:

Argentinien –  aus Brennholz
Brasilien –  aus Kohle

3) Das Salz

Argentinien –  feinkörnig
Brasilien –  grob

4) Die Vorspeisen:

Argentinien –  Empanadas und gegrillter Provolone
Brasilien –  Würste, gegrillte Hähnchenschenkel und Knoblauchbrot

5) Die Getränke

Argentinien –  Wein
Brasilien –  Bier und Caipirinha

Originalzutaten erhältst du übrigens bei brasil-latino.de

Churrasco Gaúcho | Brasilianische Grillkultur

Ein aufgespießtes Stück Fleisch, über der Glut geröstet: Das ist die Definition des großen Stars der brasilianischen Gaucho-Küche. Trotz seiner Einfachheit und Rustikalität, schließt die Zubereitung dieser Spezialität eine bestimmte Technik nicht aus. Es gibt einige Geheimnisse, die wir Euch hier im MAGAZIN verraten werden!

Ich bin in Porto Alegre/Rio Grande do Sul aufgewachsen, das Bundesland der Gauchos schlechthin. Aufgrund meiner Beobachtungen als Tochter und Schwester von leidenschaftlichen „Assadores“ (bei uns gab es Churrasco – im Ernst – JEDES Wochenende!) kann ich Euch ein Paar Tipps geben und garantieren, dass die Zubereitung nach brasilianischer Art so gelingt! Nach den Tipps erzähle ich euch wie ein Sonntag bei uns in meiner Kindheit aussah, wenn sich der ganze Tag nur um Churrasco dreht.

In einem anderen Beitrag erzähle ich Euch  wie unsere Nachbarn aus Argentinien grillen – so viel wird verraten: Die Rivalität zwischen Brasilien und unseren  “Hermanos Argentinos” beschränkt sich nicht nur auf Fußball…

Zuerst ein Einblick in die Geschichte: Das Churrasco entstand bereits vor ca. 300 Jahren, als die Gauchos noch Ihre Herden monatelang über die südamerikanischen Steppen getrieben haben. Abends wurden einzelne Tiere aus der Herde geschlachtet und am Lagerfeuer auf Spießen gegrillt. Man saß gemütlich zusammen, erholte sich von der Tagesarbeit und machte Musik. Im Laufe der Zeit verbreitete sich die Vorliebe für Churrasco landesweit und über die Jahre etabliert sich die Kultur der „Churrascarias“ in verschiedenen Teilen des Landes. Aber eins blieb immer gleich: Churrasco ist ein Synonym für Geselligkeit und gemütlichem Beisammensein, damals bei den „Cowboys“ sowie heute Zuhause.


1) DAS RICHTIGE FLEISCH UND DIE RICHTIGEN ZUSCHNITTE

Das Rindfleisch wird zum Churrasco bevorzugt. Die Gauchos haben damals darauf geachtet, das Fleisch nie direkt nach der Schlachtung zuzubereiten, denn es muss reifen um die Fasern weicher zu machen. Eine Nacht oder 12 Stunden ist genug Zeit, um eine gute Reifung zu erreichen. Diese Bedenken entfallen heute, da das Fleisch vom Metzger oder aus dem Supermarkt eh nicht direkt nach der Schlachtung angeboten wird.

Die bekanntesten brasilianischen Fleischzuschnitte sind: Picanha (auf Deutsch Tafelspitz), Maminha (auf Deutsch Bürgermeisterstück – ein abgeschnittener Teil der gesamten Picanha), Costela (Rinderrippe, die langsam und so lange geröstet wird, bis sich das Fleisch von den Knochen löst) und Cupim (der Höcker auf den Schultern einiger Rinderrassen).

Außerdem werden heute je nach Geschmack anderen Fleischsorten als Churrasco zubereitet: Lamm-, Hühner- und Schweinefleischschnitte sowie Würstchen sind sehr beliebt.

 

2) DAS GEWÜRZ

Zum Thema Gewürz gibt es keine Kompromisse und die echten Gauchos schwören: „Grobes Salz und Amen!“ Die Gaucho-Art der Würzung: Salz einschmieren. Fertig.

Zu beachten ist, das Fleisch jedoch nicht roh zu salzen, sondern erst nachdem es etwas Farbe auf dem Feuer bekommen hat. Sonst geht man das Risiko ein, dass das Fleisch etwas austrocknet. Wenn das Salz anfängt weißlich zu werden, muss es entfernt bzw. abgeklopft werden. Wer trotzdem außer der Reihe tanzen will, darf ausnahmsweise das Fleisch im (wahlweise) Wein, Bier oder Cachaça marinieren 🙂

 

3) DAS FEUER

Wie die Gauchos sagen: “Das Feuer macht das Churrasco“. Das liegt daran, dass ein schwaches Feuer das Gericht verderben kann. Der Tipp ist, die Holzkohle im Voraus so lange brennen zu lassen bis der anfängliche Rauch aufhört zu steigen, da dieser den Geschmack und das Aroma beeinträchtigen kann.  Der richtige Zeitpunkt um das Fleisch aufs Feuer setzen ist wenn auf der Kohle eine Schicht Asche erscheint.

Ein weiteres Geheimnis ist es, die Entfernung zwischen der Kohle und dem Fleisch richtig zu treffen. Wenn der Spieß zu nah am Feuer ist, wird das Fleisch äußerlich verkohlen und innerlich nicht richtig gar werden. Wenn der Spieß zu weit weg ist, wird das Fleisch eher kochen und nicht rösten. Der optimale Abstand wird bemerkbar, wenn Fett auf die Glut tropft: Es entstehen weder aufsteigende Flammen noch wird das Feuer durch das tropfenden Fett weder schwacher noch gelöscht. Die richtige Entfernung vom Spieß zum Feuer erfordert Übung und verbessert sich jedoch durch Praxis und Beobachtung.

Echte Holzkohle – keine Briketts!!

 

4) DAS RICHTIGE MESSER

Ein gepflegtes und sehr scharfes Messer ist unerlässlich. Es muss außerdem einen guten Griff haben. Idealerweise haben spezielle Messer für Churrasco eine Klinge von ca. 30 bis 40 cm. Um diese zu schützen, kommt eine Lederhülle zum Einsatz.

 

5) SPIEß ODER GRILLROST?

Spieße mit Holzgriffen schützen den „Assador“ von Verbrennungen an den Händen. Sie sind in verschiedenen Formaten verfügbar: breit, schmal, einzeln oder doppelt. Sie sind für kleinere Stücke Fleisch geeignet, sowie für Rippen, Medaillons und Vorspeisen bzw. Nachtisch (Bananen, Ananasscheiben, Paprika, Zwiebeln usw.)

Der Grillrost ist für größere und ganze Stücke Fleisch wie Picanha und Maminha geeignet. Das liegt daran, dass die Fleischsäfte nicht entweichen können, da das Fleisch nicht aufgespießt wird. Es gibt trotzdem „Assadores“, die Picanha am Spieß in Scheiben zubereiten, aber das kann das Fleisch härter und weniger saftig machen.

6) DIE BEILAGEN

Wenn man nicht nur Appetit auf Fleisch hat, findet man je nach Region diese Beilagen auf dem Tisch: Farofa (gewürztes und geröstetes Maniokmehl), Knoblauchbrot, Reis, Kartoffelsalat, gekochten oder frittierten Maniok (aipim cozido/aipim frito), Salate und Bohnengerichte (feijão mexido).

Farofa 


Und so sah es bei uns am Wochenende in meiner Kindheit aus (und es tut bestimmt immer noch, in tausenden anderen brasilianischen Familien): Mein Vater hat am Sonntag ganz früh die Sonntagsbrötchen geholt und gleich danach ging es los: Die „Churrasqueira“ vorbereiten, die Kohlenreste vom letzten Wochenende beseitigen, die Spieße kontrollieren und sauber machen, das Bier kaltstellen, das Knoblauchbrot einreiben (als große Entlastung für meine Mama in der Küche 🙂 und je nach Fleischsorte (z.B. „Costela“ – die Rippen, die brauchen ewig!) ggf. das Feuer schon Vormittags anzünden und loslegen.

Meine Mutter bereitete Kartoffel- und  Tomaten-Zwiebel Salat vor und deckte den Tisch (besonders im Süden und wenn man Platz hat, sehen die Tische neben der Churrasqueira genauso aus wie deutsche Biergartentische – lang und mit Bänken, da die Anzahl der Gäste noch ungewiss ist – mehr dazu gleich).

Wir Kinder mussten überhaupt nicht helfen, ich habe trotzdem gerne Kartoffel geschält , die Mayo zum Kartoffelsalat selbst nach Mamas Rezept angerührt. Selbstgemachte statt gekaufte Mayo hat uns allen viel besser geschmeckt.

Meine Brüder spielten Fußball zusammen, sind gelegentlich zur Churrasqueira gekommen um das Feuer bzw. die Glut zu bewundern und haben ab und zu eine Kostprobe des Fleisches bekommen – hier hat das richtige Messer tatsächlich eine große Rolle gespielt, die Kostprobe muss hauchdünn sein.

Meine Brüder und ich durften bei der „Freigabe“ mitentscheiden (zu salzig? zu blutig?) und so wurden wir nebenbei als zukünftige „Assadores“ ausgebildet.

Mein Vater stand stundenlang neben dem Feuer und wurde von uns mit Getränken versorgt und war sogar beim Essen  mehr am Stehen als am Sitzen, weil einige Spieße noch beobachtet werden müssen. Ein „Assador“ hat es nicht leicht und  ist am Abend todmüde aber sehr stolz auf seine Leistung.

Dann waren es plötzlich viel mehr Leute am Tisch als nur wir: Der Nachbar, der über den  Zaun “das duftet aber gut” ruft und somit quasi sich selbst einlädt, die Kinder die mit meiner Brüder mitgespielt haben, die Tante die nur etwas schnell vorbei bringen wollte und auch eventuell anderen die aus dem Nichts kamen. Alle bleiben und das Essen reicht.

Diese spontane Geselligkeit, die Zusammenarbeit, die Kinder am toben, die Sonne, der Rauchgeruch, das Fußballspiel lautlos im Fernseher, eine Hängematte, mein Vater den ganzen Tag neben der Churrasqueira stehend: So waren die Sonntage meiner Kindheit in Brasilien. Diese Erinnerung ist so frisch in meinem Gedächtnis wie einen Sprung in den Pool (aber „NICHT MIT VOLLEM BAUCH!! rief meine Mutter immer aus der Küche).

Originalzutaten erhältst du übrigens bei brasil-latino.de.

 

Wann und wo auf der Welt wird Vatertag gefeiert?

Auf der ganzen Welt ehren Menschen Ihre Väter und bringen zum Vatertag ihre Liebe und Zuneigung zum Ausdruck. Das Datum des Vatertag steht allerdings im Kalender nicht fest, sodass Ländern auf der ganzen Welt diesen Tag in verschiedenen Zeiten des Jahres feiern. Hierzulande fällt der Vatertag 40 Tagen nach Ostern,  am Christi Himmelfahr. Dieses Jahr ist es am  30. Mai  soweit!

 

Auch die Art und Weise des Feierns unterscheidet sich je nach Land, der Geist des Festes ist aber überall gleich. Hier eine Übersicht:

AUSTRALIEN UND NEUSEELAND:
In Australien wird der Vatertag mit viel Begeisterung und Freude am ersten Sonntag im September gefeiert. In den meisten Fällen schenken Kinder ihren Vätern Blumen, Krawatten oder es wird meist Zuhause gefeiert. Aber auch Vereine und Verbände organisieren spezielle Programme um die Familien zu unterhalten. Ein „Familienfrühstück“ ist auch ein besonderes Merkmal des Vatertags in Australien.

KANADA UND USA:
Da die Tradition des Vatertages nach Kanada aus den USA gekommen ist, wird der Vatertag in Kanada auch am dritten Sonntag im Juni gefeiert. Genau wie in den USA tragen die Menschen dort Rosen an der Kleidung, um ihrem Vater zu danken oder zu gedenken. Wenn die Person eine rote Rose trägt symbolisiert diese, dass ihr Vater am Leben ist. Eine weiße Rose bedeutet, dass der Vater dieser Person verstorben ist.

 

INDIEN
Das Konzept des Vatertages und die dazugehörige Feierlichkeiten sind in Indien sehr neu. Die Idee, den Vatertag zu feiern, wurde aus westlichen Ländern (vor allem aus den USA) vor weniger als einem Jahrzehnt importiert.
Es ist jedoch bemerkenswert, dass die Idee einen Tag zu Ehren von Vätern zu feiern von den Indern weitgehend geschätzt und sehr gut aufgenommen wurde. Heute feiern Millionen von Menschen in Indien den Vatertag am dritten Sonntag im Juni.  Kinder schenken den Vätern Karten, Blumen oder Basteleien, die Familie geht ins Restaurant, ins Kino oder macht ein Picknick.

FRANKREICH:
Gefeiert wird im Kreise der Familie auch am dritter Sonntag im Juni – die Ausgelassene Stimmung steht im Zentrum der „Fête des pères“. Eine charmante Tradition: Kinder überreichen den stolzen Vätern selbstgebastelte Krawatten aus Pappe und sagen Gedichte auf, um sie zu feiern.

SPANIEN:
El „Dia del Padre“ fällt am 19. März mit dem Josefstag zusammen. In Gedenken an den biblischen Ziehvater von Jesus werden alle Väter von ihren Kindern mit selbstgemalten Bildern und Bastelarbeiten beschenkt.

SCHWEIZ:
Bei den Schweizern gib es den „Vätertag“ erst seit 2007! Am ersten Sonntag im Juni unternehmen Väter traditionell mit ihren Kindern Ausflüge und die Mamas gönnen sich in der Zwischenzeit eine Pause.

Außerdem wird der Vatertag in diesen Ländern dann gefeiert:

Lateinamerika:

Argentinien, Chile, Panama, Paraguay, Ecuador, Peru, Kolumbien, Mexiko, Venezuela und Kuba: am dritten Sonntag im Juni
Bolivien: am 19. März
Brasilien: am zweiten Sonntag im August

Asien:

Taiwan: am 8. August
China, Japan und auf den Philippinen: am dritten Sonntag in Juni
Thailand: am 5. Dezember

Übriges Europa:

Bulgarien: am 26. Dezember
Belgien: am zweiten Sonntag im Juni
Dänemark: am 5. Juni
Estland, Island, Schweden und Finnland: am zweiten Sonntag im November
Italien, Portugal und Kroatien: am 19. März
Litauen: am ersten Sonntag im Juni
UK, Niederlande, Tschechien, Türkei, Ungarn und Slowakei: am dritten Sonntag im Juni
Polen: am 23. Juni
Rumänien: am 2. Sonntag im Mai

 

 

Doppelter Oster-Rekord in Brasilien: Stadt Pomerode schafft 2 Einträge ins Guinness Buch!

Brasilien ist und bleibt ein Land der Superlative! Die Brasilianer übertreffen sich selber was  Natur (Amazonas!), Fußball (5x Weltmeister!) und Kultur (Karneval!) angeht. Wenn noch deutsche Tugenden wie Fleiß und Ehrgeiz zu der Kreativität der Brasilianer hinzukommen, kann nur das passieren: Gleich 2 Rekorde im Guinness Buch –  zum Thema Ostern.

In einer kleinen Stadt namens Pomerode (selbsternannte „deutscheste Stadt Brasiliens“) im Bundesland Santa Catarina ist es passiert: Innerhalb von 2 Jahren wurde dort der größte Osterbaum und das größte geschmückte Osterei der Welt erschaffen! Mehr dazu gleich…

Zuerst machen wir einen Ausflug nach Pomerode:

Pomerode ist eine Kleinstadt mit ca. 30.000 Einwohner. Ruhig und charmant, Pomerode ist für die Naturschönheit und hervorragende Lebensqualität bekannt. Seit mehr als einem Jahrhundert pflegt die Stadt das Kulturerbe der Einwanderer aus Pommern/Deutschland.

Und noch ein Rekord am Rande: Pomerode hat heute mit etwa 92 Prozent der Stadtbevölkerung den größten Anteil deutschstämmiger Einwohner in Brasilien.

Bildung und Wirtschaft sind die Schwerpunkte der Stadt, von Blumenau seit 1959 emanzipiert. Das Vermächtnis der germanischen Kultur spiegelt sich in der Architektur der Häuser und Straßen von Pomerode wieder. Zahlreiche Folklore-Gruppen, Chöre, Jagd- und Schützenvereine sowie die Gastronomie in der Region (insbesondere die Bäckereien nach deutschem Vorbild) sind ein wahrer Touristenmagnet.

Seit 11 Jahren verwandelt sich ein Teil Pomerodes in einem „Osterdorf”, um die Ostertraditionen der deutschen Einwanderer zu feiern. Für einen Zeitraum von einem Monat wird die Stadt zur Bühne für diversen Veranstaltungen: Ein großer Ostermarkt mit Workshops (Eierbemalen, Osterdeko basteln, etc.) finden statt. Das Programm umfasst zudem kulturelle Darbietungen und Auftritte von Volksgruppen, Ausstellungen von Handwerkern und lokalen Produkten.

Die Highlights des Osterfests sind aber wie bereits erwähnt REKORDVERDÄCHTIG!!

REKORD Nr. 1)

Der größte Osterbaum der Welt besteht aus 82.404 bemalten Hühnereiern. Der Weltrekord wurde am 16. März 2017 beim 9º Osterfest in Pomerode erreicht. Der Verein „Visite Pomerode“ hat im April 2016 damit begonnen, Eierschalen zu sammeln und zu bemalen. Die 82.404 Hühnereier wurden an einem Pekannussbaum aufgehängt.

REKORD Nr.2)

Das größte geschmückte Osterei der Welt ist 15,02  Meter hoch und hat einen Durchmesser von 8,72 m. Es wurde am 9. März 2019 von dem Verein „Visite Pomerode“ fertig gestellt. Das riesige, bunt geschmückte Osterei wurde in 48 Tagen für das Osterfest geschaffen.

Also zusätzlich zum Besuch der wunderschönen Strände von Santa Catarina lohnt es sich auf jeden Fall auch eine Stippvisite nach Pomerode (und Blumenau!) um zu erfahren, wie sich Deutschland außerhalb Deutschlands anfühlt.

Osterdorf in Pomerode

Ostern in Lateinamerika – Traditionen und Gebräuche

Die Osterwoche wird in Lateinamerika „Semana Santa“ genannt (die heilige Woche). Sie feiert die letzten Tage des Lebens Christi, seine Kreuzigung und Auferstehung sowie das Ende der Fastenzeit. Die Semana Santa ist mit einer Reihe von Feierlichkeiten geprägt, die von streng religiösen über heidnisch bis kommerziell reichen. Hier ein Überblick der Sitten und Gebräuche der Osterfeierlichkeiten in Lateinamerika für Euch:

Peru

Obwohl es üblich ist, während der Semana Santa jeden Tag in Peru  in die Kirche zu gehen, sind einige Tage besonders wichtig. Am Gründonnerstag wird die Geschichte bei den Feierlichkeiten in Cusco wieder lebendig: Es findet eine Prozession statt, um an ein Erdbeben im Jahr 1650 zu erinnern. Die Prozession endet an der Kathedrale der Stadt, da es das einzige Gebäude war, das von diesem verheerenden Erdbeben nicht zerstört wurde.

La Catedral de Cusco

Selbstverständlich gibt es auch in Peru typische Oster-Gerichte. Am Karfreitag darf im katholischen Peru kein Fleisch konsumiert werden. An diesem strengen Fastentag wird traditionell „Chupe de Viernes Santo“, eine Suppe aus Fisch, Kartoffeln und Gemüse gekocht. (Rezept bei uns hier im Magazin).

Venezuela

In der Hauptstadt Caracas ist es Tradition, eine Puppe oder Figur aus Pappe zu verbrennen. Ursprünglich war es das Bildnis von Christus Verräter, Judas Ischariot. Heutzutage haben die Puppen das Gesicht des Teufels, eines ziemlich unpopulären Politikers oder eines anderen ungeliebten Zeitgenossen. Die Zeremonie heißt aber immer noch “die Verbrennung von Judas”.

Die Figur wird durch die Straßen getragen und schließlich von einer jubelnden Menschenmenge verbrannt. In vielen anderen Regionen Lateinamerikas wird dies am Neujahrstag getan, um das neue Jahr von schlechter Energie zu befreien.

La Quema del Judas

Kolumbien

In Popayan, bekannt als „weiße Stadt“ ist Ostern eine Zeit, um die Kunst zu feiern. Zusätzlich zu der jährlichen Osterparade gibt es auch viele Kunstausstellungen und Veranstaltungen.

Ciudad de Popayan

Brasilien

Ostern ist eine wichtige Zeit in Brasilien und die Feierlichkeiten variieren von Region zu Region. Eine der beliebtesten Traditionen ist es, die Straßen mit Teppichen zu bedecken und sie dann mit Blumen und gefärbten Sägemehl in schönen Mustern und Designs zu dekorieren.

Tapetes de flores, areia e serragem

Etwas gibt es an Ostern in Brasilien, das es in den anderen südamerikanischen Ländern (von Argentinien abgesehen) nicht gibt: Osterhasen, Schokoladenostereier und das Osterlamm. Diese Gebräuche, die mittlerweile fast im ganzen Land verbreitet sind, haben Brasilien und Argentinien den deutschen Einwanderern zu verdanken.

Mexiko

In Mexiko ist fast die gesamte Bevölkerung katholischen Glaubens: 83% Prozent sind römisch-katholisch und weitere 10 Prozent gehören einer anderen christlichen Konfession oder identifizieren sich mit dem Christentum. Infolgedessen gibt es dort eine endlose Reihe von Ostertraditionen zu feiern. Ostern oder „Pascua“ ist viel mehr als nur der Ostersonntag: Die Feierlichkeiten erstrecken sich über 2 Wochen und jeden Tag wird anders gefeiert.

Die Semana Santa, oder “Heilige Woche” ist die Woche vor Ostern.  Die wichtigste Tage sind: 

Der Palmsonntag (Domingo de Ramos) verdankt seinen Namen Jesus Einzug in Jerusalem, wo ihm die Massen Palmen zu Füßen hinlegten. Auf der Straße werden aufwändig geflochtene Kränze verkauft, die später an den Haustüren aufgehängt werden, um das Böse abzuwehren.

Palmas de Domingo de Ramos

Der Karmittwoch (Miercoles Santo): Die Stadt Zaachila feiert den Karmittwoch, indem die Kirchen mit besonderen Pflanzen schmückt, die von der Sierra (den Bergen) in die Stadt getragen werden.

Gründonnerstag (Jueves Santo): Heute wird des letzten Abendmahls gedacht, das Jesus mit seinen Jüngern geteilt hat, sowie Judas Verrat. In der Stadt Oaxaca ist es Tradition, an diesem Tag sieben Kirchen zu besuchen. Außerhalb der Kirchen werden neben Kerzen und Heiligenbildern auch typisches Essen, wie zum Beispiel „Capirotada“ (Rezept bei uns hier) und Getränke verkauft.

Der Karfreitag (Viernes Santo) erinnert an die Kreuzigung, den Tod und die Beerdigung Jesu. In den Straßen finden stille Prozessionen statt.

Procesión del Silencio

Der Ostersamstag (Sabado Santo) erinnert an den Tag, an dem Jesus im Grab ruhte. Einige Gemeinden feiern, indem sie Puppen mit Abbildungen von Judas verbrennen. Für viele Familien ist jedoch der Ostersamstag ein Tag der Entspannung.

Der Ostersonntag (Domingo de Resurrección oder Pascua) erinnert an die Auferstehung Jesu. Osterhasen oder Schokoladeneier gibt es in Mexiko nicht zum Ostersonntag. Die Mexikaner besuchen Gottesdienste und feiern ruhig mit der Famile. In einigen Orten gibt es allerdings Feste mit Feuerwerk und jubelnde Prozessionen mit Musik und Tanz.

Santuario de La Divina Misericordia, Tocuila

Die Woche nach Ostern heißt „Semana de Pascua“. Da die Schulen in Mexiko zu Ostern zweiwöchige Osterferien haben, ist diese Zeit für die Mexikaner eine willkommene Frühlingspause. Ostern ist in der Regel die trockenste Zeit des Jahres, so dass die Strände ein Magnet für diejenigen sind, die die heißen Straßen der Städten entkommen möchten.

Kamelle oder Copacabana?

Bald ist Karneval in Rio: – und Fasching hierzulande…schon allein wegen des Wetters denkt man (von der feucht-fröhlichen Stimmung abgesehen), dass beide Feste trotz des gleichen Ursprungs komplett unterschiedlich sein müssen.

Kostümierte Jecken gegen halbnackte Sambatänzerinnen, Kamellen die hier fliegen und dort nicht…es gibt doch große Unterschiede aber doch mehr Ähnlichkeiten, als man denkt. Und es geht immer um Spaß. Sowohl in Brasilien als auch in Deutschland.

Wir klären auf und zeigen Euch anhand von Vergleichsbildern wie es hier und dort abgeht!

Notiz am Rande: Die Autorin dieses Beitrags hat in den Karnevalshochburgen Rio und Düsseldorf jahrelang gelebt und kann garantieren, dass beide Feste mit den jeweiligen Eigenartigkeiten sehenswert und unvergesslich toll sind!

DER TANZ


DIE PARADE


DIE MUSIK


DER KRAFTSTOFF


DIE KOSTÜME


DIE REGENTSCHAFT 


 „HELAU“, „ALAAF!“ und „ALALAÔÔÔ!“

Die ausgefallenen Bräuche der Brasilianer zu Silvester

Brasilien ist für die Mischung aus vielen Kulturen weltweit bekannt. Diese Eigenartigkeit ist besonders am Vorabend des neuen Jahres oder „Réveillon“ zu beobachten.

Zuerst kurz zum Begriff “Réveillon”: Er beschreibt in Brasilien die Silvesterparty und bedeutet ursprünglich auf Französich „aufwachen“. Dieser Begriff entstand im 17. Jahrhundert in Frankreich und stellte ein Fest des Adels dar, das die ganze Nacht dauerte.  Im 19. Jahrhundert wurden diese Feste vom Adel anderer Orte der Welt angenommen, die von der französischen Kultur beeinflusst wurden, so wie in Brasilien. Man wünscht sich zwar  “Feliz Ano Novo” (Frohes Neues Jahr), aber sonst wird nur das Wort Reveillon gebraucht.

Eine Vielzahl von (ausgefallenen wenn nicht sogar skurrilen) Bräuchen und Traditionen, Ritualen und Symbolen aus fernen Ländern die den Menschen Glück, Gesundheit, Geld und Frieden bescheren sollen werden in der Öffentlichkeit bei sehr langem -in der Copacabana sogar bis zu 1 Stunde lang – anhaltenden Feuerwerk, gefeiert.

Heute verraten wir euch im TOP 10 welche das sind:

1) Weiße Kleidung tragen

Die weiße Farbe symbolisiert den Frieden und die Reinheit: Kleidung dieser Farbe war in Ritualen afrikanischer Stämme obligatorisch, wo das Ziel war, sich mit einer höheren Energie zu verbinden und so den Geist zu reinigen. In Brasilien wurde der Brauch durch Candomblé (afrobrasilianiche Religion) populär gemacht, da seine Anhänger im neuen Jahr an der Copacabana, einem der Orte mit der höchsten Konzentration von Menschen zum Jahreswechsel weiße Kleidung trugen.

 

2) Opfergabe an Yemanjá bringen

Ein wichtiges Ritual der Brasilianer (nicht nur der mit afrikanischer Abstammung oder Gläubigen des Candomblé)  ist es, an Silvester der Meeresgöttin Yemanjá zu gedenken. Da Yemanjá als sehr eitel gilt, werden kleine Schiffchen mit Parfüms, Seifen, Spiegel, Kämme, Halsketten o.ä. ins Wasser gelassen. Außerdem werden weiße Rosen in das Meer geworfen.

 

3) Sieben Granatapfelkerne lutschen

Granatapfelkerne sollen laut brasilianischer Aberglaube Wohlstand und Reichtum anziehen. Das Fruchtfleisch der Kerne (Achtung: 7 Stück müssen es sein!) wird verspeist und die Samen werden im weißen Papier oder Plastik eingewickelt und ab dem 06. Januar (Heiligen Drei Könige) in der Geldbörse getragen.

 

4) Über 7 Wellen springen

Das gilt natürlich für alle, die Réveillon am Strand feiern (viele kommen speziell dafür an den Strand angereist!). Man stellt sich bis zum Knie ins Meer, wirft ein paar Blumen für Yemanjá ins Wasser, springt über sieben heranrollende Wellen und wünscht sich was dabei. Ganz Abergläubige springen nur mit dem rechten Fuß, dann beginnt das Jahr mit einer Beförderung.

 

5) Linsen essen

Linsen sind die am meisten konsumierten Lebensmittel zum Réveillon. Das liegt daran, dass viele glauben, dass Linsen Glück und gute Energien für das kommende Jahr bringen können.
Die Erklärung dafür ist die: wenn man Linsen ins Wasser wirft, gehen sie auf und wachsen, und jeder möchte ja auch gern über sich hinauswachsen.
Es muss dazu aber dieses Ritual befolgt werden: Man muss irgendwo hochklettern (Stuhl, Tisch, Treppenstufen) und genau 7 Gabeln voll davon  essen.

 

6) Bunte Unterwäsche tragen

Die Farbe der Unterwäsche (sie muss übrigens neu sein), die man unter der weißen Kleidung zum Réveillon trägt soll einen direkten Einfluss auf den Verlauf des neuen Jahres haben:

Weiß: bringt Frieden und Ruhe
Rosa: zieht die Liebe an
Gelb: zieht Geld und Reichtum an
Grün: bringt Hoffnung und Gesundheit
Rot: zieht Leidenschaft an
Blau: bringt Erkenntnisse und Weisheit

 

7) Kein Geflügel essen

Der Verzehr von Hähnchenfleisch, Ente oder Pute ist absolut tabu. Der Grund: Vögel scharren und laufen häufig rückwärts. Wer sie isst, bei dem ist Rückschritt programmiert, also Finger weg! Gegessen wird stattdessen ein Linsengericht, eine traditionelle „Feijoada“ oder Grillgerichte mit Rotfleisch und Fisch.

 

8) Zwölf Trauben essen

Eine der Früchte, die beim Réveillon am meisten gegessen werden ist die Traube. Diese Tradition zum Jahreswechsel kommt aus Spanien, wo sich die Menschen versammeln, um die Früchte zu probieren und dabei Champagner trinken. Um viel Glück und ein erfolgreiches Jahr zu haben soll man 12 Trauben essen, jeweils eine in den zwölf Minuten vor Mitternacht.

 

 

9) Lorbeerblatt in der Geldbörse tragen

Im Mittelalter stellte der Lorbeer Glück, Wohlstand und Erfolg dar. Aus diesem Grund haben die Menschen Lorbeerblätter in typischen Gerichten und sogar als Dekoration in den Häusern verwendet.
Zum Jahreswechsel soll man ein Lorbeerblatt zusammen mit einem Geldschein in den Geldbeutel stecken und das ganze Jahr lang aufbewahren. Am letzten Tag des nächsten Jahres wird das Geld an jemanden gespendet und das Lorbeerblatt ins fließende Wasser geworden.

 

10) Das Haus gründlich mit grobem Salz reinigen

Wenn man böse Geister vertreiben und viele positiven Energien anziehen möchte, soll man die Küche, die Toiletten, die Türen und besonders die Türklinken mit einer Mischung aus Wasser und grobem Salz auswaschen.

Alle Mülleimer müssen geleert werden, Zerbrochenes muss weggeworfen und kaputte Glühbirnen müssen ausgetauscht werden, sowie  Bettwäsche und Badetücher.

Und ganz wichtig: Umgekrempelte Kleidung unbedingt wieder auf rechts ziehen.

Na dann kann ja nichts mehr schiefgehen 🙂

DESEJAMOS UM FELIZ ANO NOVO!

WIR WÜNSCHEN EIN FROHES NEUES JAHR! 

 

 

 

 

 

Weihnachten im Sommer – wie man unter Palmen feiert

Wenn man in Brasilien aufwächst, stellt man sich als Kind diese Fragen wieder und wieder:

1)Warum trägt der Weihnachtsmann bei 30°C diese Klamotten? Ist doch so warm!
2)Warum werden Tannenbäume mit Watte dekoriert? Watte ist keine Deko!
3)Warum streiten sich immer wieder Tanten, Omas und Mama in der Küche? Man soll doch fröhlich sein!
4)Wieso müssen wir so deftig essen? Es schmeckt bei der Hitze doch gar nicht!

Irgendwann später wird man aufgeklärt, dass die Weihnachtsbräuche aus Europa bzw. Portugal aus der Zeit der Kolonisierung übergeschwappt sind. Dann versteht man endlich, dass:

1) der Weihnachtsmann im Nordpol und nicht in Rio de Janeiro wohnt;
2) die Watte auf den Tannenbäumen Schnee nachahmen soll. Schnee? Kennen wir bloß aus Bildern;
3) die Frauen sich in der Küche streiten, weil es zu heiß ist und keine vor dem Ofen stehen will, um den „Chester“ – hierzu mehr später – stundenlang zu beaufsichtigen. Außerdem haben sie bereits mehrere Tage zuvor in der „Küchensauna“ gelebt und Plätzchen gebacken;
4) Im Winter (in Europa ist im Dezember eben Winter!) der Appetit auf deftige, kräftige und salzige Gerichte steigt – und diese Tradition wird in warmen Ländern wegen der Hitze nicht gebrochen.

Also außer schwitzende Weihnachtsmänner in Einkaufszentren zu bemitleiden, Weihnachtsstollen oder Pannettone mit Rosinen, Zitronat und Orangeat essen zu müssen, weil die Erwachsenen das so toll finden und viel Geld dafür bezahlt haben (Anmerkung: das Zeug mag KEIN ENZIGES BRASILIANISCHES KIND!!!) ist Weihnachten selbstverständlich die tollste Zeit des Jahres und wird fast gleich wie in Europa gefeiert, mit kleinen Eigenarten, die wir euch näher bringen wollen. Hier eine Übersicht:

Weihnachtsdekorationen

Obwohl die Idee eine Palme zu schmücken das Bild eines wahrhaft tropischen Weihnachtsfestes zaubert, schmücken die Brasilianer einen traditionellen Weihnachtsbaum. Dieser ist aus Naturschutzgründen heutzutage überwiegend aus Kunststoff und wird mit allen üblichen Lichtern, Kugeln und Watte (!) geschmückt. Krippen, bekannt als „Presépio“ sind sehr beliebt. Sie werden in Kirchen und Häusern  ganz Dezember aufgestellt.

Weihnachtsbaum in Salvador/BA

 

Geschenke

Wenn sich Brasilianer zu Weihnachten am Heiligabend treffen, ist es in der Regel die erweiterte Familie, die zusammenkommt: Von der unmittelbaren Familie bis zu Cousins, Tanten, Onkel, Cousins zweiten Grades und allen anderen, die irgendwie verwandt sind. Demzufolge entsteht bei der Feier eine große Gruppe von Menschen und die Bescherung kann teuer und zeitaufwendig werden. Ein beliebter „Umweg“ hierfür ist der „Amigo Secreto“ oder „Amigo Oculto“ (geheimer Freund):
Jeder Person übernimmt die Verantwortung für den Kauf eines Geschenks für nur eine Person, deren Namen keineswegs verraten werden soll. Hier kann der Fairness halber eine Preiseinschränkung abgesprochen werden. Zur Bescherung wird dann die Person so lange beschrieben (auf witziger Weise, durch Mimik, Gestik usw.) bis die anderen erraten, wer das ist.

Kinder werden üblicherweise „vom Weihnachtsmann“ reichlich beschenkt, auch wenn ein „Amigo Secreto“ unter Erwachsenen stattfindet.

Weihnachtsmann

Der Weihnachtsmann ist in Brasilien derselbe, wie ihn die meisten in der westlichen Welt kennen, wird allerdings „Papai Noel“ (Vater Noel) oder „Bom Velhinho“ (der nette, alte Mann) genannt.

Weihnachtsmann aus Sand an der Copacabana/Rio de Janeiro

 

Feiern

Die meisten Menschen, vor allem Katholiken, gehen am 24/12 zu einem Mitternachtsgottesdienst, die sogenannte „Missa do Galo“. Am 25/12 gehen viele auch zum Gottesdienst, aber oft am Nachmittag. Der 1. Weihnachtstag wird ruhig und entspannt angegangen, man trifft sich Zuhause ohne großes Feiern und isst die Reste vom Vortag.

Missa do Galo im prunkvollen “Mosteiro de São Bento”/ Rio de Janeiro

 

Weihnachtsessen

Für viele ist das Weihnachtsessen der Höhepunkte des Tages und in Brasilien werden die Speisen von vielen Kulturen beeinflusst: Italien, Portugal, Spanien und vor allem im Süden des Landes, Deutschland.

Zum Weihnachtsessen gehören den Chester (eine Art Truthahn), Gemüse, Reis mit Rosinen und Kartoffelsticks, Schinken, Kartoffelsalate mit viel Mayo und manchmal Lasagne sowie Gerichte mit Kabeljau. Das Weihnachtsessen kann bis spät in die Nacht gehen – manchmal bis Mitternacht – wenn die Hauptfeierlichkeit bzw. die Bescherung stattfindet. Ja, die Kinder dürfen solange wach bleiben.

Was ist aber eigentlich ein „Chester“? Die Bezeichnung kommt aus dem Englischen Wort für „Brust“ und beschreibt eine Art Geflügel, die aufgezüchtet wird und es nur in Brasilien gibt: Sie besteht aus 70% mehr Brust und Oberschenkel als normales Geflügel und hat genau die richtige Größe für eine typisch brasilianische Familie von 4,5 Personen. Für viele Familien ist ein Weihachten ohne Chester kein richtiges Weihnachten.

Wir bringen euch dazu in separaten Beiträgen die Rezepte zum traditionellen brasilianischen Weihnachtsmenü (keine Sorge, für den Chester gibt´s Alternativen!)

Typische brasilianische “Ceia Natalina” im Büffetform

Das Weihnachtsessen (Ceia de Natal) wird wie oben auf dem Bild gesehen gern im Büffetform zur Selbstbedienung serviert. Alles wird zusammen aufgetischt: Vorspeise, Hauptgericht, Nachtisch – und reichlich viel davon!

Gegessen wird entweder am separaten Esstisch oder auch im Stehen, draußen auf der Veranda, Garten oder Balkon (nicht vergessen: Ist ja Sommer!) oder die Gäste laufen einfach durchs Haus rum und unterhalten sich. Also alles sehr bunt, laut und spontan, wie das brasilianische Temperament.

Typische Speisen für eine Ceia sind:

  • Appetithäppchen (Canapés) mit Lachs, Kaviar, Speck, Gemüse o.ä.
  • Bolinhos de Bacalhau (portugiesische Fischbällchen) – Rezept hier
  • Käseplatte: dekoriert mit Nüssen, Aprikosen, Datteln o.ä
  • Chester,  Bacalhau (Klippfisch) oder Truthahn – Rezept hier
  • Kartoffelsalat (mit viel Mayo!)
  • Farofa (Beilage aus Maniokmehl mit Gewürzen)
  • Salpicão (Geflügelsalat mit Kartoffelsticks) – Rezept hier
  • Reis mit Nüssen/Rosinen/Gemüse
  • Armer Ritter
  • Plätzchen (Spekulatius, Ingwerkekse, Butterplätzchen)
  • Panetone (meistens mit Speiseeis gefüllt)
  • Tropische Früchte
  • Champagner, Wein, Bier, frische Fruchtsäfte

 

 

 

 

 

Eine kunterbunte mexikanische Tradition: El “Día de Los Muertos”

Vorab die wichtigste Information: Der Tag der Toten ist keine mexikanische Version von Halloween. Die zwei jährlichen Veranstaltungen unterscheiden sich stark in Traditionen und Ton: Halloween ist eine dunkle Nacht des Horrors und Unfugs, während bei den Festlichkeiten zum Tag der Toten sich im ganzen Land an zwei Tagen in eine Farbexplosion mit viel lebensbejahende Freude entfaltet.

Sicher, das Thema ist der Tod, aber hier gilt es Liebe und Respekt für verstorbene Familienmitglieder in Form von Ritualen voller Symbolik, Paraden, Partys mit Tanz und Musik sowie Opfergaben zu demonstrieren.

Der heutige “Día de Los Muertos” ist eine Mischung aus vorhispanischen religiösen Riten und christlichen Festen. Es findet zwischen dem 31. Oktober und dem 2. November — Allerheiligen und alle Seelen Tage auf dem katholischen Kalender — statt.

Hier die wichtigsten Fakten rund um den „Día de Los Muertos“, dessen Bedeutung  sogar 2008 von der UNESCO als „Immaterielles Weltkulturerbe“ anerkannt wurde:

Geschichte
Der Tag der Toten entstand vor mehreren tausend Jahren bei vorhispanischen Völkergruppen (Azteken, Toltec und Nahua) die das Trauern der Toten als respektlos empfanden. Für sie war der Tod eine natürliche Phase des Lebens. Die Toten waren noch Mitglieder der Gemeinschaft, die in Erinnerung und Geist am Leben gehalten wurden —  während des Día de Los Muertos kehrten sie zeitweilig zur Erde zurück.

Altare
Kernstück der Feier ist ein Altar, oder „Ofrenda“, gebaut in Privathäusern und Friedhöfen. Es sind kleine Altäre für die Anbetung und sollen die Geister zurück in das Reich der lebenden willkommen heißen. Ausgelegt werden Wasser (um den Durst nach der langen Reise zu stillen), Essen, Familienfotos und eine Kerze für jeden toten Verwandten. Wenn einer der Geister ein Kind ist, findet man vielleicht kleine Spielzeuge auf dem Altar. Verstreute Blütenblätter führen die Seelen zurück vom Altar zum Grabplatz und duftende Räucherstäbchen reinigen den Bereich um den Altar.

 

Die Calavera Catrina
„Catrina“ ist im Spanischen ein Ausdruck für eine wohlhabende oder reiche Person, allerdings mit abwertendem und sarkastischem Unterton. Die Figur wurde vermutlich von einem mexikanischen Kupferstecher geschaffen, um sich über die vorrevolutionäre mexikanische Oberschicht lustig zu machen. Die Calavera (span. für Schädel) Catrina stellt das Skelett einer jungen Frau mit besonders schönen Kleidern dar. Die Figur wurde besonders populär und hat daher Einzug in die kulturelle Selbstdarstellung Mexikos gefunden.

 

Nahrung der Toten
Pan de muerto, oder Brot der Toten, ist ein typisches süßes Brot (Pan Dulce), oft mit Anis Samen und mit Knochen und Schädel aus Teig verziert. Die Knochen sind dann in einem Kreis angeordnet, wie im Kreis des Lebens. Winzige Teig-Tränen symbolisieren Schmerz und Sehnsucht. Ausgelegt werden auch Schädel aus buntem Zucker, Teil einer Zuckerkunst-Tradition, die von italienischen Missionaren des 17. Jahrhunderts mitgebracht wurde.

 

Kostüme
Der Tag der Toten ist ein extrem sozialer Feiertag, der sich zu allen Tages-und Nachtstunden auf Straßen und öffentlichen Plätze abspielt. Sich als Skelette zu verkleiden gehört zum Spaß. Menschen jeden Alters haben ihre Gesichter kunstvoll bemalt, um die Calavera Catrina zu ähneln.

 

Eine unglaubliche Produktvielfalt direkt aus Mexiko erhältst du

bei brasil-latino.de

Die 10 Gebote des Mate-Rituals (mit Humor aber Todernst :)


Am Mate-Tee Ritual (Roda de Mate) teilzunehmen ist gesund für Körper und Seele aber ACHTUNG: da kann man schnell ins Fettnäpfchen treten – hier lebenswichtige Tipps von uns, die mit einem  Augenzwinkern 😉 sehr ernst genommen werden müssen:

1. Gebot:

Du sollst den Mate-Tee nie süßen. Schon die Kinder der Gauchos lernen, dass Mate „amargo“ also bitter ist. Und es bleibt auch so.

2. Gebot:

Du sollst nie behaupten, Mate-Tee sei unhygienisch. Dass die „ Bombilla“ (Strohhalm) von Mund zu Mund wandert, scheint manchem ekelig zu sein. Es scheint nicht nur so, ist es auch.

3. Gebot:

Du sollst dich nie beschweren, der Mate sei zu heiß. Die Wassertemperatur ist für normale Menschen erträglich. Und du bist auch ein normaler Mensch.

4. Gebot:

Du sollst deinen Mate immer austrinken. Eine Mate-Runde ist nicht wie mit der Friedenspfeife der Indianer, ziehen und weiterreichen. Also austrinken und dann neu aufgießen lassen.

5. Gebot:

Du sollst dich nicht über das Geräusch des Austrinkens („Schnarchen“) schämen. Die Verhaltensregeln, die du Zuhause von Mama gelernt hast, gelten hier nicht.

6. Gebot:

Du sollst die Bomba nie und nimmer selbst bewegen. Falls die Bomba verstopft, lass die Hände bloß weg! Der Vorbereiter (Cevador, i. d. R. der Gastgeber) ist allein für diese Katastrophe zuständig.

7. Gebot:

Du sollst nie die Richtung der Weitergabe der Cuia ändern. Immer nach rechts mit der rechten Hand weiterreichen. Keiner weißt warum, muss man auch nicht.

8. Gebot:

Du sollst froh sein, dass der Gastgeber den ersten Aufguss selbst trinkt. Er ist nicht unhöflich zu den Gästen, sondern leistet hier ein Freundschaftsdienst, da der erste Aufguss der Bitterste ist.

9. Gebot:

Du sollst nie vergessen, die Cuia weiter zu reichen. Wenn du in der gemütlichen Mate-Runde so vertieft in deine Erzählung bist, kann es schon sein, dass du folgenden Satz zu hören bekommst: „Kennt ihr die Geschichte von Hr. X? Der ist tatsächlich mit der Cuia in der Hand gestorben!“

10.Gebot:

Du sollst dich nicht wundern, wenn der Mate nach Schnaps schmeckt. Einige Profis benutzen Cachaça um den Geschmack des Mates zu “verlängern“, da ist der doppelte Spaß vorprogrammiert!

Mate-Tee in verschiedenen Sorten und Packungsgrößen sowie das passende Zubehör direkt aus Südamerika findest du übrigens bei brasil-latino.de